Düsseldorf

Kiefernstraße Düsseldorf

Renate Kraft

Renate Kraft

Die ganz andere Straße mit K

K wie Kö oder Königsallee? Das verbinden wohl die meisten Leute mit der Landeshauptstadt von NRW. Aber K heißt auch K wie Kiefernstraße Düsseldorf. Eine andere Straße in derselben Stadt, aber so ziemlich das komplette Gegenteil. Die Kiefernstraße ist ein alternativer Mikrokosmos mitten in Düsseldorf. Und sie ist eines von vielen interessanten Beispielen, die beweisen, dass Düsseldorf so viel mehr ist als eine versnobte Stadt der Reichen. Düsseldorf ist lebendige rheinische Vielfalt. Eine Stadt, so bunt, wie man es sich nur wünschen kann.

Kiefernstraße Düsseldorf Kreuzworträtselhaus

Bevor ich neulich Richtung Mecklenburgische Seenplatte abgedampft bin, habe ich ein paar Tage in Düsseldorf verbracht. Und dort habe ich wieder mal Orte aufgesucht, die ich besonders mag in meiner Geburtsstadt. Orte wie zum Beispiel den Volksgarten oder eben auch die Kiefernstraße. Komm mit mir auf einen kleinen Spaziergang in die wohl bunteste Ecke der Stadt. Ein Farbrausch, der gerade in düsteren Zeiten wie diesen so guttut.

ausgestopfte Katze in der Kiefernstraße

Geschichte der Kiefernstraße Düsseldorf

Die Kiefernstraße Düsseldorf war nicht immer so farbenfroh. Vielmehr hat sie eine lange wechselvolle Geschichte erlebt. Die dort bis heute stehenden Häuser wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Darin waren Werkswohnungen für die Stahlarbeiter von Klöckner untergebracht. Keine grauen Kästen, sondern nette kleine Wohnungen mit kleinen Gärten und einer ordentlichen Infrastruktur für die dort lebenden Familien.

Graffiti Mädchen mit Pinsel

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die hübschen Häuser ganz schön gelitten und verkamen immer weiter. 1975 war die Zeit der Stahlarbeiter in Düsseldorf endgültig vorbei, nachdem die Firma Klöckner ihre Pforten für immer geschlossen hatte. Schon über ein Jahrzehnt vorher zogen viele Gastarbeiter in die Straße im Düsseldorfer Stadtteil Flingern. Aber jetzt wurden die Häuser Eigentum der Stadt Düsseldorf. Die wollte abreißen, was in ihren Augen wahrscheinlich ein Schandfleck war. Ein feines Gewerbegebiet sollte hier entstehen. Aber da hatte die Stadt ihre Rechnung ohne die Hausbesetzer gemacht.

Graffiti Kiez

Besetzte Häuser

In der 1980er Jahren wurden zahlreiche Häuser in der Kiefernstraße Düsseldorf besetzt. Die Straße galt damals als vielleicht größter sozialer Brennpunkt in der Landeshauptstadt. Im Dunkeln ging man nicht gerne alleine in dieser Gegend spazieren. Den Hausbesetzern wurden sogar Kontakte in die linksterroristische Szene nachgesagt. Doch im Jahr 1988 kam eine unerwartete Wende, von der Düsseldorf bis heute profitiert.

Bauwagen in der Kiefernstraße Düsseldorf

Die damalige Stadtratsmehrheit aus SPD und Grünen suchte und fand ein Konzept, um die Häuser der Kiefernstraße Düsseldorf zu erhalten. Die Wohnungen wurden günstig und sozial verträglich vermietet. Wenig später wurden sie gründlich saniert, wobei die Anwohner tatkräftig mit anpackten. Im Jahr 2003 schließlich hielt die Kunst Einzug in die Straße. Das Kulturbüro Kiefernstraße organisierte die farbenfrohe Gestaltung der Häuser mit den ungeraden Hausnummern, also der einen Straßenseite. Die Gruppe Farbfieber zeichnet verantwortlich für das Farbenmeer, wie wir es heute vorfinden, aber auch für politische und sozialkritische Inhalte auf den Fassaden.

Buddha in der Kiefernstraße

Kiefernstraße heute

Kiefernstraße Gartenzwerge

Die Mieten blieben bezahlbar. Mit wohlwollender Begleitung der Kommunalpolitik konnte sich in der Kiefernstraße eine politisch engagierte und multikulturelle Szene entwickeln, die von einem sozialen Brennpunkt heute ziemlich weit entfernt ist. Die Kiefernstraße Düsseldorf ist ein alternativ-freundlicher Ort. Sie ist aus meiner Sicht ein nachahmenswertes Beispiel erfolgreicher Stadtplanung. Und sie ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Aus Respekt vor den Bewohnern, die mittlerweile auch die andere Straßenseite liebevoll und sehr bunt gestaltet haben, würde ich allerdings empfehlen, nicht in ganzen Gruppen dort aufzukreuzen und wild zu fotografieren. Gegen einzelne Besucher hat dort bestimmt niemand etwas. Ich jedenfalls wurde sehr freundlich begrüßt.

Graffiti Karawane
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8 Comments

  1. Liebe Renate,
    Das ist ja ein cooler Foto-Spot und ein toller Ort für einen kleinen Stadtrundgang in Düsseldorf. Ich kenne Düsseldorf nur so als Schicki-Micki und auch hauptsächlich die Rheinterrassen und die Kö, aber die Kiefernstraße mit den tollen Wandbildern und Graffitis würde mir total gut gefallen. Was für eine bewegte Geschichte. Danke fürs Vorstellen – werde ich beim nächsten Düsseldorf-Besuch beherzigen.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

  2. Hallo Renate,

    ich mag es farbenfroh und der Spaziergang mit dir durch die Kiefernstrasse hat mir richtig gut gefallen. Ich als Läuferin würde gern an einem sonnigen Samstag Morgen genau da durchlaufen wollen, am Ende des Laufes einen Kaffee irgendwo kaufen und gemütlich nochmals Richtung Unterkunft schlendern. Da hätte ich jetzt richtig Lust drauf. Merke mir das Düsseldorf eine solch tolle Straße mit Geschichte hat und werde dann da drüber gehen.
    Vielen Dank für die Inspiration.
    LG
    Cindy

  3. Und wie schon im Stammheimer Schlossgarten hast Du auch wieder einen echten SeiLeise gefunden! Cooooool! 🙂 Den Volksgarten mag ich auch – von der Kiefernstr. hatte ich noch nie gehört!

  4. Hallo,

    wow was für tolle Kunstwerke das sind. Damit kann man die langweiligen Häuser auch schön machen. Das muss man auch mal Live sehen und auf sich wirken lassen.

    Einfach toll,
    Liebe Grüße
    Julia

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