Neuseeland, Südinsel

Milford Sound – der Weg ist das Ziel

Renate Kraft

Renate Kraft

Nachdem ich über die wunderschöne Tour zum Doubtful Sound schon berichtet hatte, möchte ich auch vom Milford Sound erzählen. Ich war dort nur wenige Tage, bevor die Milford Road gesperrt wurde. Viele Reisende mussten deshalb auf das Erlebnis verzichten. Das tat mir so richtig leid. Noch schlimmer waren aber wohl diejenigen dran, die nach der Straßensperrung dort festsaßen und ganz schön lange warten mussten, bis sie ausgeflogen werden konnten. Nach allem, was ich so gehört habe, haben die Kiwis sich aber richtig gut um die Leutchen gekümmert.

Mit dem Bus zum Milford Sound

Ich bin von Te Anau aus zum Milford Sound gefahren. Nach einigem Überlegen habe ich mich ausnahmsweise für eine Bustour entschieden. Die Milford Road ist anstrengend, auch bei relativ gutem Wetter. Denn morgens rast ein Bus nach dem anderen Richtung Milford Sound. Alle haben streng getaktete Zeitpläne. Das Gedrängel auf der Straße macht einfach keinen Spaß. Mir wurde dringend davon abgeraten, selbst hinzufahren. Und ich denke, dieser Rat war tatsächlich berechtigt.

Eigentlich bin ich ja nicht so der Fan von Bustouren, aber ich wählte die frühestmögliche Abfahrt am Morgen. Der Bus war nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. Die Fahrt mit Real Journeys war ausgesprochen entspannt. Es gab jede Menge Zwischenstopps, und ich habe die Fahrt richtig genossen. Zur Abwechslung war es auch mal schön, unterwegs mit anderen Reisenden zu quatschen.

Großartige Milford Road zum Sound

Für mich war tatsächlich die Fahrt zum Milford Sound mindestens so interessant wie der Milford Sound selbst. Die Milford Road ist grandios! Schon bald hinter Te Anau fängt der Fjordland Nationalpark an, Neuseelands größter Nationalpark. Rechts und links der Straße hast Du supertolle Ausblicke in die Natur und kannst beobachten, wie die Landschaft sich langsam von lieblich zu schroff und schroffer verändert. Und es gibt entlang der Strecke jede Menge coole Spots zum Anhalten und sich Umschauen.

Da wären zum Beispiel die Mirror Lakes, in denen sich die Berge toll spiegeln, wenn nicht gerade die Enten die Spiegelbilder beeinträchtigen. Das tun sie natürlich so gut wie immer.:-) Oder Du hältst an einem Parkplatz und trinkst zur Abwechslung mal frisches Wasser direkt aus dem Fluss. Das hätte ich ohne das Okay des kundigen mitfahrenden Rangers sicher nicht gemacht. An einem der Zwischenstopps besuchten uns Keas. Die frechen Vögel haben überhaupt keine Berührungsängste und untersuchten den Bus eingehend auf Futterressourcen.

Ich sah unterwegs mehrere schöne Wasserfälle und spazierte an wilden Flüssen entlang. Du hast das Gefühl, fernab der Zivilisation zu sein und nur mit einer Handvoll Mitreisender ziemlich alleine zwischen den gewaltigen Bergen. Bis auf einmal an einem Parkplatz ein Kaffeewagen steht. Der ist natürlich nicht nur für uns hier rausgekommen. Er hat jedenfalls leckeren Kaffee im Angebot, der mir so früh morgens höchst willkommen war. Und als ich ihn so schlürfte zwischen den schneebedeckten Bergen, machte mich der Ranger darauf aufmerksam, dass die merkwürdig gelb-rötliche Färbung auf dem Schnee tatsächlich von den Buschbränden in Australien kommt. Ganz schön krass, fand ich.

Nicht verpassen – der Chasm Walk

Der tollste Zwischenstopp auf der ganzen Fahrt war für mich der Chasm Walk. Bei diesem maximal halbstündigen Spaziergang siehst Du, wo der Cleddau River sich ganz tief unten einen Weg durch die Felsen freigespült hat. Ein wunderbarer Anblick.

Augen zu und durch den Homer Tunnel

Sehr beeindruckend ist auch die Fahrt durch den Homer Tunnel, auf dem die Straße unter den riesigen, gewaltigen Granitfelsen verläuft. Tagsüber regelt eine Ampel den Verkehr durch den schmalen und über 1,2 Kilometer langen Tunnel. Es geht dann jeweils nur in eine Richtung durch.

Nachts wird die Ampel abgestellt und der Verkehr kann sehen, wie er klarkommt. Zwei PKWs können sich hier vielleicht aneinander vorbeiquetschen, aber bei größeren Fahrzeugen gibt’s sicher Probleme. Ich fand den funzelig beleuchteten Tunnel etwas unheimlich, obwohl ich nicht an Klaustrophobie leide. Jedenfalls war ich ganz froh, nicht selbst durchfahren zu müssen.

Spätestens hinter dem Tunnel fängt normalerweise das für den Milford Sound typische Sauwetter an. Wie sich später herausstellte, hatte ich bei meinem Besuch mit ein bisschen Nieselregen noch einen Traumtag erwischt. Kurz darauf wurde es ja wesentlich schlimmer mit dem Wetter. Und dann ist er irgendwann in Sicht, der Milford Sound.

Bootsfahrt durch den Milford Sound

Ein toller Anblick, aber auch recht früh am Morgen schon mehr als gut besucht. Jetzt steigst Du also um auf eins der zahlreichen Schiffe, die auf dem Milford Sound ihre Runden drehen. Es ist ein tolles Erlebnis auf dem ruhigen schwarzen Wasser an den steilen Felsen und Regenwäldern vorbeizugleiten.

Das Tolle am Milford Sound, verglichen mit dem Doubtful Sound, sind ganz ohne Frage die beeindruckenden Wasserfälle. Und die Skipper geben sich auch sehr viel Mühe, so dicht wie möglich ranzufahren, bis das Wasser auf den Bug des Schiffes spritzt. Sehr coole Sache. Bei annehmbaren Wetter geht die Fahrt bis raus auf die Tasmanische See, und höchstwahrscheinlich auch vorbei an einer Seehundkolonie.

Der Milford Sound ist, wie sein großer Bruder Doubtful Sound, ein tolles Erlebnis. Vorausgesetzt, Du hast an Dein Mittelchen gegen die Sandflies gedacht. Nirgendwo ist die Plage so krass wie am Milford Sound. Ich hoffe, dass die Sperrung der Milford Road in Zukunft nicht allzu oft nötig sein wird, damit möglichst viele Neuseelandreisenden so einen schönen Tag erleben können, wie ich ihn erleben durfte.

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2 Comments

  1. Da kommen ganz viele Erinnerungen in mir hoch 🙂
    Ich hatte Milford Sound über sehr gemischte Gefühle. Im Vorhinein sieht man sich ja immer die tollen Bilder auf google mit strahlendem Sonnenschein an und bei uns war hat es dann geregnet und war so richtig nebelig. Dafür waren die Wasserfälle prall. Glücklicherweise hat es aber als wir zurück an Land waren aufgehört zu regnen und die Sonne kam sogar noch ein wenig hervor und bescherte uns einen kleinen Regenbogen über dem Wasser 🙂

    Für mich war auch die Fahrt dorthin extrem interessant! Wir haben nochmal eine Nacht entlang der Strecke übernachtet, mitten am Waldrand umgeben von Hasen und mit dem Ruf der Keas!
    Bei den Mirror Lakes waren wir auch! Richtig schön 🙂
    Falls du gucken magst, was wir so erlebt haben: https://miles-and-shores.com/milford-sound-eine-nasse-angelegenheit/

    Liebe Grüße,
    Christina

    1. Ja, das schöne Wetter gibts fast nur auf Fotos. Aber ich fand die Stimmung schon auch sehr ansprechend. Passt irgendwie dorthin. Einen Regenbogen hab ich leider nicht gesehen. Aber ich kann ja froh sein, dass ich überhaupt noch hinfahren konnte. Kurz vor der Sperrung…
      LG Renate

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