Polen

Halbinsel Hel – meine zwei Versuche

Renate Kraft

Renate Kraft

Auf Irrwegen von Danzig zum Ziel.

Die Halbinsel Hel – von Danzig aus kann man fast hinspucken. Trotzdem war mein Ausflug dorthin eine Irrfahrt mit Hindernissen. Aber dabei habe ich tolle Erfahrungen gesammelt. Und dann doch endlich Hel. Angekommen an der Spitze der von den Polen Kuhschwanz genannten schmalen langen Halbinsel, die ich mir unbedingt anschauen wollte.

Go to Hel (Autokennzeichen)

Hin und weg von der Halbinsel Hel

Viele Wege führen von Danzig zur Halbinsel Hel. Auto, Zug, Schiff? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ich entschied mich für den Zug. Die Strecke führt im weiten Bogen an der Danziger Bucht entlang und dann über die gesamte Länge des Kuhschwanzes bis zur Spitze, dem Badeort Hel. Das schien mir attraktiver als die viel direktere Schifffahrt. Und nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Zugfahrten in Polen ist es auch die weitaus preiswertere Alternative.

Ostsee-Promenade auf der Halbinsel Hel
Malereien an der Ostsee-Promenade auf der Halbinsel Hel

Aber irgendwie war von Anfang an der Wurm drin an diesem Tag. Es fing schon damit an, dass ich meine Lesebrille auf dem Campingplatz vergessen hatte. Also erstmal in die Apotheke und Ersatz beschaffen. Dann wunderte ich mich am Ticketschalter am Hauptbahnhof darüber, dass die Hinfahrt spottbillig und die Rückfahrt saftig teuer sein sollte. Okay, der Zug zurück ist ein Intercity. Aber dreimal so teuer? Merkwürdig, zumal er genauso lange – etwa zweieinhalb Stunden – braucht wie der Regionalzug. Egal, einsteigen und los. Schließlich ist auch der dreifache Preis mit etwa zwölf Euro noch immer günstig.

Manchmal kommt alles anders…

Bald verstand ich nur zu gut, warum das Ticket so billig war. Schon in Gdynia, also fast noch in Danzig, machte der Zug schlapp. Endstation vorerst. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ein kurzer Ersatzzug kam. Der war dann natürlich knüppelvoll und fuhr im Schritttempo Richtung Hel. Immer wieder lange Pausen – eine defekte Ampel, diverse Überholungen – es war so ziemlich alles dabei. Aber ich hatte eine Menge Spaß mit der polnischen Familie, mit der ich mich über- und untereinander in die Sitze gequetscht hatte. Keiner sprach auch nur ein Wort Englisch oder Deutsch. Mein Polnisch beschränkt sich auf maximal zehn Wörter. Trotzdem eine lustige Fahrt. Am frühen Nachmittag war die Hälfte der Strecke bewältigt.

Puck statt Halbinsel Hel

Mole in Puck
Mole in Puck

Beim Halt in Puck, das direkt am Meer liegt, entschied ich spontan, die Fahrt abzubrechen und mir lieber was Anderes anzuschauen. Diese Entscheidung war Gold wert. Denn Puck (zu Deutsch Putzig) macht seinem Namen alle Ehre. Der kleine Ort ist supergemütlich und wunderschön. Ich spazierte runter zur Mole. Von einer coolen Bar aus überblickte ich den Ort und den Badestrand.

Marktplatz von Puck
Marktplatz von Puck
Marktplatz in Puck

Den Ort erkundete ich dann in aller Ruhe. Eine hübsche Kirche und einen richtig tollen Marktplatz mit hübschen Kaufmannshäusern hat der Ort zu bieten. Hier gibt’s eine schöne Glasbläserei mit Café und eine sehr sehenswerte Bernsteinausstellung mit originellem Schmuck. Das Beste an Puck aber ist der kleine Fischereihafen. Auf einem Fischkutter oder in einem der kleinen Lokale kann man wunderbar Fisch essen. Vor allem der Räucherfisch ist herrlich und sehr günstig.

Irgendwann musste ich dann zum Bahnhof zurück, um den Intercity von der Halbinsel Hel zurück nach Danzig zu erwischen. Über meine Irrfahrt nach Puck war ich kein bisschen traurig. Der Ort war mehr als eine Reise wert. Der Intercity hatte auch eine satte Verspätung, war aber dann tatsächlich sehr luxuriös. Ich bekam sogar ein Wasser gratis an meinem Platz serviert.

Kirche in Puck

Am nächsten Morgen unternahm ich den zweiten Versuch, die Halbinsel Hel zu erreichen. Diesmal mit dem Ausflugsdampfer. Etwas über 22 Euro kostet die zweistündige Fahrt hin und zurück (Stand Juli 2021). Knüppelvoll war das Schiffchen, aber es brachte mich endlich planmäßig an mein Ziel, die Spitze der Halbinsel Hel.

Endlich auf der Halbinsel Hel

Hafen Halbinsel Hel

Im Badeort Hel boxt im Sommer der Papst. Komplett überlaufen und hektisch ohne Ende. Für den nächsten Besuch werde ich mir ganz sicher eine andere Jahreszeit aussuchen. Einiges Sehenswertes gab es aber trotzdem zu entdecken. Die Seehundstation hätte mich interessiert, aber die Schlange vor dem Eingang war Hunderte von Metern lang. Ich verzichte. Stattdessen lieber erstmal zum Leuchtturm etwas außerhalb des Zentrums. Hier kann man hochsteigen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Ostsee an allen Seiten – wunderbar! Aber es kann ganz schön voll werden auf der kleinen Aussichtsplattform. Platzangst vorprogrammiert.

Blick vom Leuchtturm Halbinsel Hel

Vom Leuchtturm aus ist es nicht mehr weit zum wunderschönen, dem Ortskern gegenüberliegenden ewig langen Ostseestrand. Hier geht es etwas ruhiger und wesentlich angenehmer zu als im wuseligen Zentrum von Hel. Also erstmal baden und die Beine ausstrecken.

Strand Halbinsel Hel

Frisch gebadet ging ich dann bis zur Abfahrt meines Schiffchens noch im Fischereihafen spazieren. An einem Stand kaufte ich mir für fast nichts eine Makrele frisch aus dem Räucherofen. Ich warf einen Blick auf den muskulösen Neptun an der Mole und auf das in einer alten Kirche untergebrachte Museum. Ein alles in allem schöner Ausflug. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass meine Irrfahrt nach Puck mich deutlich mehr begeistert hat als die Halbinsel Hel. Die besten Erlebnisse liegen eben meistens doch etwas abseits der ausgetretenen Pfade. Eine Erfahrung, die ich auf Reisen schon oft gemacht habe. Von Danzig aus kann man übrigens noch viele andere tolle Ausflüge machen. Wie wäre es zum Beispiel mit dem wunderschönen Seebad Sopot? Oder mit einer Bootsfahrt zur Westerplatte, wo der Zweite Weltkrieg seinen Anfang nahm?

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