Polen

Das Konzentrationslager Stutthof

Renate Kraft

Renate Kraft

Dunkler Schatten über polnischem Badeort.

Sztutowo ist ein quirliger Badeort an der Ostsee kurz vor der Einfahrt zur Frischen Nehrung im Nordosten von Polen. Aber Sztutowo ist auch das Konzentrationslager Stutthof, in dem die Nazis während des Zweiten Weltkriegs 80.000 Menschen ermordeten. Ein dunkler Ort, der an einem so lebensfrohen Platz ganz besonders finster wirkt.

Zu düster für einen Reiseblog?

Ich habe einige Zeit überlegt, ob ich über meine Besichtigung des Konzentrationslagers Stutthof auf dem Blog erzählen soll. Aber schließlich habe ich mich dafür entschieden. Es ist ein Reiseblog, und der Besuch in Stutthof gehört zu genauso zu meiner Polenreise wie Sommer, Sonne, Strand und Meer. Ich habe das Lager an einem ganz besonders heiteren strahlenden Tag besucht. Um so krasser wirkte dieser finstere Ort dann auf mich.

Eingang Konzentrationslager Stutthof

Ich war auf einem hübschen Campingplatz im Nachbarort Stegna und wollte eigentlich nur das schöne Wetter für eine kleine Radtour nutzen. Ich hatte von dem Konzentrationslager ganz in der Nähe zwar gelesen, aber es war nicht mein Ziel, als ich durch den wunderschönen Kiefernwald hinter dem Ostseestrand radelte. Plötzlich stand ich vor dem Eingangstor.

Kommandatur
Kommandatur

Ich habe noch nie zuvor ein Konzentrationslager besucht. Eher unterbewusst, ohne das je bewusst so für mich entschieden zu haben, habe ich diese Orte bisher gemieden. Auch wenn ich öfters schon in der Nähe war. Aber diesmal sollte es wohl sein. Mit sehr gemischten Gefühlen wandte ich mich dem Eingang zu.

Geschichte des Konzentrationslagers Stutthof

Am 2. September 1939 wurden die ersten 150 Häftlinge in Stutthof eingeliefert. Es war der Tag nach dem deutschen Überfall auf der Westerplatte. Die Gefangenen waren polnische Bürger von Danzig. Zwei Jahre später wurde das Zivilgefangenenlager Stutthof zunächst in ein Arbeitserziehungslager und im Januar 1942 schließlich in ein Konzentrationslager umgewandelt.

Konzentrationslager Stutthof

Anfangs hielten die Nazis hier vor allem polnische Intellektuelle aus dem Danziger Raum gefangen. Später kamen Häftlinge aus allen Teilen des besetzten Landes und aus ganz Europa hinzu. Ab Juni 1944 wurden auch hier systematisch Juden ermordet. Die Häftlinge starben häufig an Unterernährung, an den Folgen der Zwangsarbeit, an diversen Krankheiten. Aber es gab auch eine Gaskammer zur „Endlösung der Judenfrage“. Das Ende des 120 Hektar großen Lagers kam am 9. Mai 1945, als die sowjetische Armee dort über 57.000 Menschen befreite.

Wachturm

Rundgang durch das Konzentrationslager Stutthof

Natürlich ist ein Rundgang über das Gelände sehr bedrückend. Ich habe es als angenehm empfunden, dass die Besucher, anders als an der Westerplatte, nicht lachend und Eis schlürfend auf Besichtigungstour waren. Die Besucher zollten dem Ort Respekt. Es waren auch nur wenige Menschen auf dem Areal unterwegs. Es ist eben doch nochmal was ganz Anderes als ein Schiffsausflug von Danzig zur Westerplatte. Kriegsschauplatz hin oder her.

Wachturm

Der Eintritt zum Konzentrationslager Stutthof ist frei. Ein Ticket muss man nur kaufen, wenn man im Kino in der ehemaligen Kommandantur eine Dokumentation anschauen möchte. Ansonsten kann man sich auf dem gesamten Gelände frei bewegen. Viele auch deutschsprachige Infotafeln erzählen die Geschichte des Lagers und erklären die einzelnen Orte. In den nachgebauten Baracken kann man sich zu einzelnen Aspekten tiefgehender informieren.

Zelle

Besonders bedrückend fand ich neben der Gaskammer auch zum Beispiel die winzigen, zum Teil fensterlosen Zellen, in denen Gefangene eingesperrt wurden, die etwa gegen die Lagerordnung verstoßen hatten. Oder das Krematorium, in dem nicht nur Leichen verbrannt, sondern auch kranke jüdische Frauen erschossen wurden.

Gaskammer
Gaskammer
Krematorium
Krematorium

Für mich war der Besuch des Konzentrationslagers Stutthof eine lehrreiche Erfahrung an einem strahlenden Sommertag an der Ostsee. Mir war vorher nicht klar, wie dieser Ort auf mich wirken würde. Die oft schon fast vergessene grauenhafte und zum Glück nicht selbst erlebte Zeit ist mir sehr nahe gerückt. Aber das war gut so. Ich habe in den folgenden Tagen viel nachgedacht. Und ich bin im Nachhinein froh über diesen Tag, so merkwürdig das vielleicht klingt.

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