Neuseeland

Rückflug aus Neuseeland – Farewell NZ und alles Gute!

Renate Kraft

Renate Kraft

Aus Neuseeland nach drei Monaten planmäßig zurück zu müssen, war auch ganz ohne Corona traurig genug. Es war eine grandiose Zeit gewesen. Ich hatte mich am anderen Ende der Welt auch diesmal wieder ganz und gar zu Hause gefühlt. Aber irgendwann waren auch drei Monate mal rum. Genau zu dem Zeitpunkt, als die Situation sich weltweit verschärfte, war es für mich Zeit, Abschied zu nehmen. Von diesem in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Rückflug aus Neuseeland möchte ich erzählen.

Farewell – der letzte Tag

Am letzten Tag meines dreiwöchigen Englischkurses am Nelson English Center sind wir noch mal alle zusammen Mittag essen gegangen. Die Stimmung in der kleinen Gruppe war gedrückt. Keiner wusste zu dem Zeitpunkt so genau, ob er versuchen sollte, schnell noch irgendwie nach Hause zu kommen oder ob er lieber gleich in Neuseeland bleiben sollte. Meine „Class-Mates“ aus der Schweiz und aus Argentinien wussten genauso wenig wie ich, was jetzt das Beste wäre.

Ich habe ja dann erst mal die Entscheidung in die Hände von Emirates gelegt. Würde der Flieger planmäßig starten, würde ich mitfliegen. Wenn nicht, dann nicht (ich habe darüber  geschrieben). Eigentlich hatte ich eine letzte Übernachtung in Kaikoura geplant. Da wollte ich ein letztes Mal die Meerluft genießen. Weil aber alles immer unklarer wurde, änderte ich diesen Plan kurzfristig und fuhr lieber direkt nach Christchurch.

Rückflug aus Neuseeland

In der Nähe des Flughafens nistete ich mich für eine Nacht in einem Motel ein. Auf dem Parkplatz standen ein paar sauteure Mietcamper. Sie gehörten den letzten noch nach Neuseeland eingereisten Touristen, die im Motel ihre vierzehntägige Selbstquarantäne über sich ergehen lassen wollten – es war ja noch kurz vor dem Lockdown.

Als ich abends so beim Bierchen ein bisschen ins Internet schaute, gab es im Netz erste Gerüchte, nach denen Australien dabei war, für Transitreisende komplett dicht zu machen. Ganz schlecht, denn meine erste Etappe auf dem Heimweg sollte am nächsten Tag nach Melbourne gehen. Die Situation war unklar. Auf manchen Seiten stand, dass Transit noch erlaubt und nur die Einreise gestoppt sei. Auf anderen Seiten hieß es, Transit sei auch nicht mehr möglich. Ich las, dass andere Leute in einer ähnlichen Situation wie ich schon versuchten, alles auf die Schnelle umzubuchen. Für unglaublich hohe Preise. Ich folgte zunächst dem, was ich mir vorgenommen hatte, und ließ es drauf ankommen.

Rückflug aus Neuseeland – am Flughafen

Am nächsten Morgen fuhr ich zu Juicy Car Rental und gab meinen Mietwagen zurück. Wo sonst quirliger Dauerbetrieb herrscht, war es gespenstisch ruhig. Ein Shuttle gab es trotzdem, das mich zum Flughafen brachte. Dort erfuhr ich sofort, dass es tatsächlich keine Chance gab, über Melbourne zu reisen. Leider war nur zu erfahren, was nicht ging. Was aber vielleicht noch gehen würde, war nicht so einfach herauszubekommen.

Nachdem ich eine Weile erfolglos herumgefragt hatte, beschloss ich, das nun doch nicht so einfach hinzunehmen, wie ich eigentlich vorgehabt hatte. Nun war ich ja schon mal am Flughafen. Da konnte ich auch versuchen, noch wegzukommen. Auch wenn ich noch immer nicht so wirklich davon überzeugt war, dass es wirklich das Beste wäre. Da von Emirates keine Info zu bekommen war, beschloss ich kurzfristig, auf Verdacht nach Auckland zu fliegen. Wenn überhaupt, dann wären die Chancen von dort am größten.

Chaos in Auckland

Futsch waren in dem Moment die ersten 330 Dollar für das Ticket. Aber die Aussicht, in Auckland endlich weitere Infos von Emirates zu bekommen, war es mir wert. Bis zu diesem Zeitpunkt nämlich hatte ich keinerlei Info erhalten, dass irgendwas mit meinem Flug nicht passt. Und über die Hotline ging auch nichts. Mit mir im Flugzeug waren viele Touristen aus aller Welt, die ebenso wie ich versuchten, noch schnell nach Hause zu kommen.

Aber auch in Auckland waren keine Infos zu bekommen. Die Check in Schalter von Emirates fertigten ausschließlich Passagiere ab, die Tickets für Flüge hatten, die nicht annuliert waren. Für andere Fluggäste gab es schlicht und ergreifend keinen Ansprechpartner. Nur wieder den Hinweis auf die komplett nutzlose weil hoffnungslos überlaufene Hotline.

Wäre ich meiner ein paar Tage früher getroffenen Entscheidung treu geblieben, hätte ich spätestens jetzt den Versuch aufgeben müssen, noch nach Deutschland zu kommen. Nach wie vor erschien mir die Aussicht, in eines der am stärksten von Corona betroffenen Länder zu reisen, nicht übermäßig attraktiv. Zumal ja in Neuseeland alles noch relativ normal lief zu diesem Zeitpunkt. Einerseits. Aber andererseits war wohl die wachsende Verzweiflung vieler Reisender am Flughafen ansteckend. Auch in mir wurde so langsam der Instinkt wach, unbedingt nach Hause zu wollen. Je mehr, desto schwieriger es zu werden schien.

Okay, also musste ich was unternehmen. Ich fragte mich zu einem Flight Center durch, wo angeblich noch Flugtickets verkauft wurden. Bevor ich den kleinen Laden betreten konnte, war zwei Stunden Schlange stehen angesagt. Zwei Stunden, in denen ich die Verzweiflung anderer Reisender hautnah mitbekam. Viele fühlten sich von ihren Liebsten abgeschnitten und komplett machtlos in dieser Situation. Den Meisten ging es wesentlich schlechter als mir. Im Nachhinein glaube ich, dass mir das geholfen hat, sehr cool zu bleiben. Ich hätte damit umgehen können, in Neuseeland bleiben zu müssen. Und deshalb konnte ich mich dann auch recht ruhig und gelassen in dem panikartigen Gedränge um Flugmöglichkeiten bemühen.

Teure Entscheidung

Als ich endlich vor einem Schreibtisch im Flight Center stand, überraschte es mich schon nicht mehr, dass mir die Mitarbeiterin als einzige Chance, noch nach Deutschland zu kommen, einen Abendflug über Kuala Lumpur und Hongkong nach Frankfurt für mehr als 6000 Dollar präsentierte. Ich schluckte und kaufte das Ticket. Economy Class. Was sonst?

Jetzt hatte ich viele Stunden Zeit zum Nachdenken. Mein Budget für die nächsten Monate hatte ich innerhalb von einer Minute verballert, nur um mir die Chance zu erhalten, vielleicht noch nach Deutschland zu kommen. Eine reine Bauchentscheidung. Und als ich dann so auf der Wiese vor dem Flughafen in der Sonne lag und wartete, da stritten Bauch und Kopf heftig miteinander. Aber die Entscheidung war gefallen. Und ich bemühte mich darum, sie vor mir selbst zu rechtfertigen.

Irgendwann nach Mitternacht saß ich dann endlich in der Maschine nach Kuala Lumpur. Immerhin war das Essen bei Malaysia Airlines einsame Spitze. Trotz der Enge in der Maschine fühlte ich mich komplett sicher. Schließlich war die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung bei der Ausreise aus einem fast coronafreien Land auch extrem unwahrscheinlich. Also rollte ich mich zusammen und schlief erst mal ein Ründchen.

Spooky Kuala Lumpur

In Kuala Lumpur sah die Welt dann komplett anders aus als in Auckland, wo es, von gelegentlichen Aufforderungen zum Hände waschen über Lautsprecher abgesehen, komplett normal zugegangen war. Hier aber war gähnende Leere am riesigen Flughafen. Schon bei meiner Ankunft am Morgen zeigte die Anzeigetafel an, dass fast alle für den Tag geplanten Flüge annuliert waren. Mein Weiterflug am Abend nach Hongkong war noch nicht aufgelistet, aber es gab zumindest einigen Grund zu der Annahme, dass ich nun in Kuala Lumpur stecken bleiben könnte. Keine so richtig tolle Aussicht.

Den Tag verbrachte ich mit Lesen und mit unzähligen Besuchen in der Raucherzone, dem einzigen Platz, wo ich ein paar andere Leute zum Quatschen fand. Hauptsächlich Flughafenpersonal, denn Reisende gab es nur sehr wenige. Alles war dicht. Nur vereinzelt gab es Cafés, wo es wenigstens zum Mitnehmen ein bisschen Verpflegung gab. Irgendwann tauchte tatsächlich mein Flug auf der Anzeigetafel auf, und ich konnte zuerst kaum glauben, dass er zu den ganz wenigen gehörte, die an diesem Tag überhaupt noch abheben würden.

Weiter über Hongkong

Abends ging’s dann also mit Cathay nach Hongkong. Ich weiß ja, dass viele Asiaten auch in ganz normalen Zeiten ohne Virengefahr Masken tragen. Aber auf das, was mich in diesem Flieger erwartete, war ich nicht gefasst. Passagiere in Ganzkörperkondomen, mit Plastikvisieren und Skibrillen waren die Regel und nicht die Ausnahme. Ich hatte einen Fensterplatz und konzentrierte mich auf die Aussicht über das abendliche Kuala Lumpur. Dann schlief ich zum Glück ein.

Rückflug aus neuseeland

In Hongkong hatte ich nur einen kurzen geplanten Aufenthalt. Zum Nachdenken war kaum Zeit, denn ich war gut damit beschäftigt, die langen Wege zurückzulegen. Die Verhältnisse waren wieder etwas normaler hier. Es gab sogar einen geöffneten Duty Free Shop. Nachdem ich drei Monate die wahnsinnigen Tabakpreise in Neuseeland bezahlt hatte, kaufte ich mir eine Stange Zigaretten für weniger als den halben Preis eines 30 Gramm Päckchens Tabak in meiner zweiten Heimat. Ich freute mich über das Schnäppchen und vergaß für einen Moment den Preis des Tickets in meiner Hosentasche.

Letzte Etappe Luxus pur

Am Transfer-Schalter erfuhr ich, dass Lufthansa mich für die letzte Etappe nach Frankfurt auf Business Class upgegradet hatte. Dieser Glücksfall war mir zunächst piepegal, denn ich war froh, dass die Maschine überhaupt abhob. Es war nämlich die allerletzte auf dieser Strecke. Später aber genoss ich dann diesen unverhofften Luxus sehr. Es war der erste Business Class Flug meines Lebens. Und ich muss schon sagen, dass der tolle Service und die große Beinfreiheit nach dem Stress der letzten Tage und Nächte sehr guttaten. Entspannt landete ich am nächsten Morgen in Frankfurt.

Nachdem ich das letzte Stück mit Bahn und Taxi auch geschafft hatte und endlich zu Hause war, erfuhr ich vom Lockdown in Neuseeland. Viel besser wäre es also sicher nicht gewesen, dort zu bleiben. Ich bin zufrieden, zu Hause zu sein. Ich drücke Neuseeland die Daumen, dass es glimpflich davonkommt. Allen dort Gestrandeten drücke ich die Daumen, dass sie bald ausfliegen können. Ich bin zu Hause und versuche, mich wieder einzuleben. Momentan finde ich es schwierig. Aber es wird werden. Jeden Tag ein bisschen mehr. Und in neun Monaten will ich zurückkehren. Farewell NZ!

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7 Comments

  1. Hallo Schicksalsgenossin.
    So hört sich Deine Reise noch schlimmer an, als in den kurzen Nachrichten, die wir bei fast jeder Zwischenlandung über facebook ausgetauscht haben. Wenn ich Deine Odyssee lese, bin ich mit meinen knapp 8000 Dollar und durchgängiger Business aber noch ganz gut weggekommen. Meine Glück waren – ist das typisch Mann? – meine drei Devices: Smartphone, Tablet mit Telefonfunktion und ein Mini-PC. Auf dem Smartphone konnte ich die Qantas Hotline in Deutschland kostenlos anrufen, mit dem Tablet die in Neuseeland. Nur war ich kurz vorm Durchdrehen weil auf beiden die Musik-Endlosschleifen und die ständige Ansage, dass sich bald jemand um mich kümmert, um die Wette dudelten. Über die Frankfurter Nummer meldete sich nach rund 90 Minuten eine echte Stimme und die war so geduldig, dass ich in den kommenden 45 Minuten, in denen sie mich umzubuchen versuchte, auch noch am PC auf eigene Faust nach einem neuen Flug suchen konnte und wenn sie eine Flugmöglichkeit hatte, hielt sie es fest bis ich meinen nächsten Schritt gemacht hatte. U.a. bot sie an, mich vom 21. auf den 25. auf Emirates AKL – Dubai – DUS umzubuchen. Im Nachhinein wissen wir, damit wäre ich gestrandet, denn am 25. flog Emirates schon nicht mehr nach Deutschland – ich sass quasi im vorletzten Flieger von Dubai nach Düsseldorf, danach kam nur eine Maschine am Nachmittag.
    Ich fand schließlich einen Flug bei Emirates via Bali statt mit Qantas/Emirates via Brisbane, aber nur in der Business. Auch im Nachhinein bin ich heilfroh das gebucht zu haben, denn der Abstand zu anderen Reisenden war doch deutlich größer als in Economy. Was ich noch gelernt habe: Es ist gut wenigsten eine Kreditkarte mit hohem Tageslimit in der Tasche zu haben, denn in Euro waren 4.360 auf einmal fällig.
    Für die netten Momente in all dem Chaos sorgte indes der regelmäßige Nachrichtenaustausch mit Dir. Danke dafür. Und viel Spaß beim der nächsten NZ Reise.

    1. Hallo Schicksalsgenosse,
      naja, 8000 find ich jetzt erst mal nicht wirklich besser.:-) Vielleicht ein bisschen entspannter als ich… Aber das lag wohl daran, dass Du Dich entschlossener um die Umbuchung gekümmert hast als ich. Dieses tränenreiche Flight Center am Flughafen in Auckland ist Dir so immerhin erspart geblieben. Mein Glück waren neben dem Austausch über FB vor allem die Raucherzonen in den diversen Flughäfen. Da hab ich überall nette Leute getroffen. So ein Schwätzchen hier und da war sehr entspannend. Zum Glück habe ich erst erfahren, dass ich in der allerletzten Lufthansa-Maschine war, als ich schon drin saß und mir den Sauvignon Blanc schmecken ließ. Aus deutschen Landen und nicht halb so lecker wie aus Marlborough übrigens.:-) Vielleicht hab ich aber jetzt unterm Strich genauso viel bezahlt wie Du. Von meinem ursprünglichen Emirates Ticket werde ich nämlich wohl keinen Cent wiedersehen. Und das ist immerhin eine Lehre, die ich aus dieser Geschichte ziehe: Nie mehr Flugtickets bei Billiganbietern buchen, immer direkt bei der Airline. Die paar Dollar Unterschied waren echt am falschen Ende gespart.
      Vor allem wegen einer kleinen Handvoll Freunde, die ich wiedersehen wollte, bin ich geflogen. Keinen von denen habe ich gesehen bis jetzt, und das wird ja noch ein Weilchen so bleiben leider. Und mit meinem kleinen alten Bus, der inzwischen zum Camper ausgebaut ist, wollte ich auf Tour. Auch Essig. Aber egal. Die Sonne scheint, die Bäume blühen, und es kommen wieder bessere Zeiten.
      Ich danke Dir auch für den sehr netten Austausch. Tat tatsächlich gut in dem Chaos.
      Nur das Beste für Dich bei allem, was Du so vorhast!

  2. Hallo Renate !
    da hast Du ja eine irre Odyssee hinter Dir. Aber schön dass Du wieder gut zu Hause angekommen bist.
    Wünsche Dir alles Gute und dass dich der dreckige Virus nicht erwischt.
    Toi Toi Toi
    Pass gut auf dich auf und hoffentlich sehen wir uns im August in Potsdam.
    Liebe Grüße
    Bernd

  3. Hallo Renate!

    Als ich letzhin hörte, dass nun auch Touristen aus Neuseeland ausreisen dürfen, dachte ich so an Dich (nicht nur dann, aber dann besonders) und ob Du es wohl schon vorher geschafft hast. Offenbar hast Du, aber um welchen Preis. Andererseits, wenn einer eine Reise tut, dann kann erwas erzählen. Habe ich das richtig verstanden, dass Du in Zukunft in NZ überwintern willst? Klingt jedenfalls nach einem coolen Plan. Wenn die Umstände (persönliche wie allgemeine) es erlauben, hoffe ich auch im August dabei zu sein!
    Bis dahin pass‘ auf Dich auf!
    Liebe Grüße
    Christoph

    1. Hallo Christoph,
      ich hatte gehört, dass Du nicht am Start bist, und das hätte mir sehr leid getan. Um so schöner, dass Du vielleicht doch kommst. Ja, dieser Rückflug war ein teures „Vergnügen“, aber was will man machen? Ja, es stimmt, ich habe tatsächlich vor, auch den nächsten und möglichst noch viele Winter in Neuseeland zu verbringen. Mein Hinflug für Dezember ist (wohl etwas voreilig) schon gebucht. Aber zuerst hatte ich vor, mit meinem neuen alten Camper durch die Gegend zu düsen. Aktuell wäre ich eigentlich in Zingst und hätte mich sicher mal gemeldet. Leider sitze ich stattdessen in Bonn und gucke aus dem Fenster. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten. Pass Du bitte auch gut auf Dich auf. Ein paar gemeinsame Rostocker mit Dir gehören zu meinen ganz festen Zukunftsplänen.:-) Liebe Grüße, Renate

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