Deutschland, Ostsee, Zingst

Zwei Radtouren Zingst – Ruhe und Weite am Bodden genießen

Renate Kraft

Renate Kraft

Zwei Radtouren von Zingst aus möchte ich Dir gerne empfehlen. Ich empfehle Radtouren? Ja, das ist sehr ungewöhnlich, denn normalerweise gehört das Fahrrad nicht zu meinen bevorzugten Verkehrsmitteln. Aber seit ich mit dem Camper unterwegs bin, ist es aus praktischen Gründen immer mit dabei. Ich komme damit gut von A nach B, ohne für jede Kleinigkeit den Bus anzuschmeißen. Denn dafür muss ich jedes Mal ein bisschen umräumen. Und das lohnt für kurze Strecken einfach nicht.

Flache Radwege für untrainierte Radler

Radweg auf dem Deich
immer auf dem Deich lang

Also Radtouren. Von einem meiner Lieblingsorte aus. Ich liebe Zingst an der Ostsee und war schon unzählige Male hier. Am meisten interessieren mich die wunderschönen Strände, aber die Leute hier auf dem Campingplatz haben mir von ihren Radtouren erzählt. Das war ansteckend. Hier ist alles ganz flach. Deshalb sind die Strecken auch für komplett untrainierte Radler wie mich absolut geeignet. Ich wusste nicht, dass es hier so viele tolle Radwege gibt. Gute Gelegenheit, denn die Strände sind wegen Corona übervoll. Anscheinend sind alle stornierten Reisen zur Ostsee umgebucht. Ich habe Zingst jedenfalls noch nie so voll erlebt.

Radtour-Start am Hafen Zingst

Hafen Zingst
Startpunkt der ersten Radtour: der Hafen von Zingst

Ausgesucht habe ich mir zunächst die Strecke von Zingst nach Barth. Ein guter Startort dafür ist der hübsche kleine Zingster Hafen am Bodden. Hier gibt’s zur Stärkung vor der Abfahrt schnell noch ein Fischbrötchen. Dann geht’s auf dem Deich entlang das erste Stück immer am Wasser. Die Boddenlandschaft ist wunderschön. Und das Tollste: Während sich am Strand die Menschen knubbeln, ist hier alles leer. Du kannst die Ruhe und Weite in vollen Zügen genießen.

13 Kilometer Südlicher Boddenweg

der Bodden
Weite und Ruhe am Bodden

Der Radweg heißt „Südlicher Boddenweg“ und führt den größten Teil der etwa 13 Kilometer kurzen Strecke entlang der alten Trasse der Darßbahn. Die ist lange Geschichte und leider kann man heutzutage nicht mit dem Zug nach Zingst fahren. Ich bin meistens in Ribnitz angekommen. Von da muss man dann noch elend lange mit dem Bus fahren.

Aber zurück zur Radtour. Der Weg geht komplett abseits der Autostraßen vom Start bis ins Ziel. Das ist echt superschön. Ich war an einem sehr sonnigen warmen Tag unterwegs. Deshalb war ich besonders froh, dass ein großer Teil der Strecke durch den Wald geht oder jedenfalls unter schattigen Bäumen entlang. Überall gibt’s Bänke für die kleinen Pausen zwischendurch. Bei 13 Kilometern nicht wirklich nötig, aber es macht Spaß, die Ruhe zu genießen.

Blick von der Meinigen-Brücke
Blick von der Meinigen-Brücke

Highlight Meinigen-Brücke

Ein Highlight der Radtour von Zingst nach Barth ist die Überquerung der Meinigen-Brücke. Von hier gibt es tolle Ausblicke in den Bodden. Ich bin schon so oft drüber gefahren, aber mit dem Fahrrad ist es viel einfacher anzuhalten, wo Du willst. Die Stahlbrücke ist von 1910 und 470 Meter lang. Sie war mal eine Eisenbahndrehbrücke für die Darßbahn auf dem Weg von Barth nach Prerow. Heute ist sie eine viel befahrene Autobrücke. Achtung: Weil die Schiffe nicht durchpassen, muss auch heute gedreht werden. Das führt hin und wieder zur Sperrung der Brücke. Am besten einfach vor Ort erkundigen!

Meinigen-Brücke
die alte Eisenbahnbrücke

Hinter der Brücke liegt das Örtchen Bresewitz. Aber davon siehst Du vom Radweg aus so gut wie nichts. Nur den hübschen Galerie-Bahnhof. In alten Waggons gibt’s eine Ausstellung zur Darßbahn. Danach fährst Du durch Pruchten. Auch das bekommst Du nur ganz am Rande mit. Irgendwann landest Du auf der Landstraße. Das letzte Stück läuft dann auf einem Radweg neben der Straße. Aber auch dieses Stück ist angenehm zu fahren.

Galerie-Bahnhof
Galerie-Bahnhof in Bresewitz direkt am Radweg

Am Hafen in Barth

Hafen Barth
Hafen Barth
Blick auf das Speicherhotel im Hafen
Blick auf das Speicher-Hotel im Hafen

Und dann bist Du schon in Barth. Wie der Radweg ist auch der Hafen sehr gut ausgeschildert. Jetzt bist Du am Ziel. Und wieder locken die Fischbrötchen. Vielleicht darf’s nach der Anstrengung ein Bierchen dazu sein? Der Hafen von Barth ist ein bisschen größer als der von Zingst und ebenfalls sehr gemütlich. Ich finde dort vor allem das Hotel in einem alten Speicher ziemlich sehenswert. Aber auch ein Spaziergang durch den netten Ort Barth lohnt sich. Ich habe diesmal drauf verzichtet, weil ich schon so oft hier war. Aber die Marienkirche und der Marktplatz sind auf jeden Fall sehenswert.

Blick auf Barth
Blick auf die Marienkirche in Barth

Per Fähre zurück nach Zingst

Tja, und irgendwann musst Du wieder in die Pedale treten und nach Zingst zurückfahren. Vielleicht auch nicht. Denn es gibt eine Fähre. Und ja klar, ich hab sie genommen. Fahrräder nimmt das Schiff zum Glück mit. Die Fahrt ist wunderschön und geht entlang der Vogelschutzinsel Kirr. Ein netter kleiner Ausflug, auch wenn es mich danach dann doch wieder mit Macht an den Strand zog. Schließlich musst Du nur ein kleines Stück mit dem Rad fahren und kommst zu Stellen, die nicht so überlaufen sind wie der Strand direkt in Zingst zurzeit.

Radtouren Zingst: Ab Richtung Sundische Wiese

Zeesenboot auf dem Bodden
Zeesenboot in Sicht

Meine zweite Radtour von Zingst startete auch wieder am Hafen. Diesmal fuhr ich auf dem Deich in die andere Richtung. Du fährst immer am Wasser entlang. Die Ausblicke sind wunderschön. Immer wieder gibt es kleine Aussichtsplattformen. Wenn Du Lust hast, ein Teleobjektiv mitzuschleppen, dann mach das! Mit Glück siehst Du die hier heimischen Seeadler. Im Herbst ist die Zeit der Kraniche, die dann bei Sonnenaufgang von ihren Schlafplätzen am Bodden aufsteigen. Ein toller Anblick. Diesmal war ich mit leichtem Gepäck unterwegs. Einfach nur zum Genießen.

weite Boddenlandschaft

Über Müggenburg geht die Fahrt. Nach dem ersten Stück darf der Deich wegen Landschaftsschutz nicht mehr befahren werden. Aber direkt hinter dem Deich gibt es den betonierten Versorgungsweg – ein idealer Radweg. Auch hier gibt’s reichlich Aussichtspunkte, und es lohnt sich immer mal wieder anzuhalten.

Pause auf dem Deich
Pause auf dem Deich

Mein Ziel war eigentlich die Sundische Wiese. Hier gibt’s ein interessantes Informationszentrum des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. In der Ausstellung „Lebensräume“ erfährst Du eine Menge über die Gegend. Oder Du kehrst im Schlösschen am Parkplatz Sundische Wiese ein. Ein schöner Biergarten hat schließlich noch nie geschadet.:-)

Zu Gast bei Fred Korn…

Bei mir kam an diesem Tag alles etwas anders als geplant. Die Fahrt mit dem Rad hatte mich nach so etwa 10 Kilometern ganz schön durstig gemacht. Und wie eine Fata Morgana tauchten plötzlich aus dem Nichts ein paar bunte Sonnenschirme auf. Sie kamen wie gerufen. Ich schob das Rad in den hübschen und skurrilen kleinen Garten und lernte Fred Korn, genannt Körnchen kennen.

im Garten bei Fred Korn
Fred Korns Garten

Er holte mich gleich mal an einen großen gemeinsamen Tisch und brachte mir für sehr kleines Geld ein eiskaltes Rostocker, das nur so zischte. Ich hätte mich auch für gefühlt ungefähr 100 andere Biersorten entscheiden können. Oder unter einer großen Auswahl von Spirituosen wählen. Für die Abstinenzler unter Euch ist auch gesorgt, keine Angst. Aber eigentlich trinkt man bei Körnchen Bier. Körnchen macht das auch.

nach dem Gelage bei Fred Korn
Absturzgefahr…

Und Körnchen erzählt und erzählt mit großer Begeisterung seine Geschichten. Du sitzt mit den anderen Gästen zusammen, man lernt sich kennen und freut sich gemeinsam des Lebens. Der Besuch am Westhof bei Körnchen war einfach ein wunderbares Erlebnis. Zwischendurch kam ein ziemliches Unwetter und es schüttete wie aus Kübeln. Wir saßen gemeinsam unter den Schirmen und ließen uns von Körnchen bestens unterhalten. Die Geschichten gehen ihm einfach niemals aus.

Und wieder zurück nach Zingst

Rückweg nach Zingst
Pause auf dem Rückweg

So ein Besuch birgt ein gewisses Absturzrisiko. Mach Dich drauf gefasst! Aber fahr auf keinen Fall vorbei. Es ist einfach zu schön. Ich machte mich rechtzeitig vor dem Absturz wieder auf die Socken und radelte an meinem eigentlichen Ziel, den Sundischen Wiesen, vorbei und auf einer schnurgeraden Straße, aus deren Pfützen es nach dem Unwetter dampfte, radelte ich zurück Richtung Zingst, das letzte Stück auf dem Ostsee-Deich entlang. Ein toller Tag, den ich nie vergessen werde.

Noch ein Ausflugstipp von Zingst aus gefällig? Wie wäre es mit dem Weststrand?

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