Mecklenburgische Seenplatte

Die Geschichte hinter Schloss Karow

Renate Kraft

Renate Kraft

Wenn eine Bronzestatue zur Friedensbotschafterin wird

Karow ist ein altes Gutsdorf in der Nähe von Plau am See an der Mecklenburgischen Seenplatte. Sehenswert ist dort vor allem Schloss Karow. Deshalb bin ich hingefahren. Entdeckt habe ich eine spannende Geschichte, die ich Euch gerne erzählen möchte.

Schloss Karow

Seitdem ich meine Hütte am Garder See in der Nähe von Güstrow habe, bin ich dabei, meine neue Umgebung zu erkunden. Dabei ist wirklich ein Ausflug schöner und interessanter als der andere. Ich liebe diese Gegend. Die wunderschöne Natur der Mecklenburgischen Seenplatte und die Nähe zur Ostsee sind einfach ein Genuss. Ich finde gar keine Zeit, über all das zu bloggen im Moment. Aber die Geschichte von Schloss Karow fand ich besonders beeindruckend und möchte sie Euch nicht länger vorenthalten.

Schloss Karow

Wechselvolle Geschichte von Schloss Karow

Es gibt eigentlich keinen besonderen Grund, nach Karow zu fahren. Jedenfalls keinen außer Schloss Karow. Das alte backsteinerne Gutshaus ist allerdings eine kleine Reise wert. Das klassizistische Herrenhaus wurde im Jahr 1800 erbaut. Der Großindustrielle Johannes Schlutius kaufte das Gut im Jahr 1898 und ließ einen prächtigen neobarocken Anbau hinzufügen. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb die Familie als Gutsbesitzer untrennbar mit Schloss Karow verbunden. Während des Krieges zogen ein evakuiertes Rostocker Gymnasium und der Reichsarbeitsdienst ein. 1945 wurde die Familie Schlutius enteignet.

Seehund-Skulptur im Schlossgarten

In der Folgezeit war das Schloss mal Lazarett, mal Flüchtlingsunterkunft, mal Schule, mal Unterkunft für Auszubildende oder noch einiges mehr. 1998 erwarben die heutigen Eigentümer es und nahmen sich viel Zeit für die umfassende Sanierung. Seit 2007 gibt es hier ein Hotel, das zu besonderen Anlässen gebucht werden kann. Besonders gerne wird in Schloss Karow geheiratet. Das Schloss bezeichnet sich selbst sogar als Hochzeitsschloss.

Das Mausoleum der Gutsbesitzer

Mausoleum der Gutsbesitzer

Aber das ist eigentlich noch nicht die Geschichte, die ich erzählen wollte. Die hängt mit der ehemaligen Gutsbesitzerfamilie Schlutius zusammen. Denn ein paar hundert Meter weiter im Wald ließ sich die Familie von Bildhauer Wilhelm Wandschneider ein prächtiges spätwilhelminisches Mausoleum erbauen. Die Wände waren komplett mit Marmor verkleidet. An der Decke gab es ein großes Mosaik. Nach dem Ersten Weltkrieg stellte die Familie davor eine ziemlich berühmte Bronzestatue auf. „Die Trauernde“ ist ebenfalls von Wilhelm Wandschneider.

Die Trauernde

die Trauernde

1945 wurde das Mausoleum geschändet, die sterblichen Überreste irgendwo verscharrt. Heute ist das Mausoleum eine etwas versteckt im Wald liegende Ruine. Und die „Trauernde“ ist weg. Jedenfalls weg von hier. Aber sie konnte gerettet werden und steht nun im Kirchhof von Karow. Und sie ist deshalb so besonders beeindruckend, weil sie im Krieg von Schusswaffen durchlöchert wurde. Die Einschusslöcher lassen sie aus meiner Sicht zu einer eindrucksvollen Botschafterin für den Frieden werden. Aus einer durchaus ohnehin schon sehr gelungenen Plastik wurde ein eindrucksvolles Zeitzeugnis.

die Trauernde - Kopf

Heute steht sie weniger für die Trauer um Mitglieder der Gutsbesitzerfamilie. Die Statue trauert um den Zustand der Welt, die keinen Frieden findet. Deshalb ist es vielleicht ganz passend, dass sie heute nicht mehr beim Mausoleum steht, sondern im Ortszentrum bei der Kirche. Ich habe sie dort zufällig entdeckt. Sie und ihre Geschichte haben mich sehr beeindruckt.

Kirche von Karow
Kirche von Karow

Übrigens kann man bei Schloss Karow umsonst parken. Es gibt einen gut ausgeschilderten Rundweg, der sowohl zur Kirche als auch zum Mausoleum führt. Dabei schadet ein Fahrrad nichts, denn die Wege sind ein bisschen weit. Ich habe alle drei Punkte separat mit dem Auto angefahren. Und danach ging es weiter ins wunderschöne Plau am See. Aber das ist eine andere Geschichte…

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16 Comments

  1. Ich liebe Burgen und Schlösser, sowie auch die Geschichten dahinter. Vielen lieben Dank, dass Du über Schloss Karow berichtet hast und für die schönen Bilder.
    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Ja, die Kirche ist toll. Hier gibt es übrigens ganz viele schöne Kirchen. Alle aus Backstein, aber immer wieder anders. Ich halte immer wieder gerne an, wenn ich eine sehe.

  2. Vom Namen her habe ich das Gefühl, schonmal dort gewesen zu sein. Allerdings war ich seit Kindertagen nicht mehr an der Mecklenburgischen Seenplatte. Obwohl, das stimmt nicht ganz – seit ca. dem Abitur nicht mehr. Ist bei uns eigentlich auch auf dem Reiseplan, aber das wurde von Corona auf Eis gelegt… Ich werde mir das Schloss jedenfalls merken.

    1. Ja, mach hier mal Urlaub. Es ist eine wirklich wunderschöne Gegend, in der man noch dazu sehr viel Interessantes entdecken kann neben der tollen Natur.

  3. Liebe Renate,
    Was für ein spannender Tipp – an die Mecklenburgische Seenplatte möchte ich auch demnächst mal wieder. Mein letzter Besuch ist schon lange her. Die Geschichte von Schloss Karow ist ja wirklich faszinierend. Besonders finde ich tatsächlich die Figur der Trauernden mit den Einschusslöchern – das macht Geschichte noch besser erlebbar und bildet eine direkte Verbindung zur Vergangenheit. Schlimm, dass das Mausoleum so geschändet wurde – aber immerhin konnte die Trauernde gerettet werden. Sie ist Zeugin einer Zeit, die wir hoffentlich nie mehr erleben müssen.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    1. Ja, ich fand die Geschichte auch wirklich faszinierend. Überhaupt ist die Mecklenburgische Seenplatte eine Gegend, wo man ungeheuer viel entdecken kann. Genau mein Ding, besonders in diesen Zeiten…

  4. Liebe Renate,
    sehr spannend! Ich mag Orte wie diese, die eine Geschichte erzählen und würde mir das Schloss und das Mausoleum gern mal von nahem ansehen. Du hattest geschrieben, heute ist es nur noch eine Ruine, aber kann man vielleicht durch die Tür schauen? Die Statue stellt auch für mich eine eindrucksvolle Zeitzeugin dar. Ein sehr besonderer Ort zum Innehalten und dazu Deine gelungenen Fotos.
    Herzliche Grüße
    Vivienne

    1. Ja, man kann durch die Tür schauen. Da brauchst Du eine Taschenlampe. Ist stockduster da drin. Aber das Mausoleum ist leer. Nix mehr drin – es lohnt sich also nicht wirklich…

  5. Liebe Renate,
    wow, du hast eine Hütte nahe Güstrow!? Welch Traum. Wir lieben die Mecklenburgische Sennplatte ebenfalls – inklusive Ostseenähe, denn die Ostsee lieben wir noch ein klitzekleines bisschen mehr 😉
    Von Schloss Karow hatte ich bisher noch nichts gehört, aber ich mag solche (Familien-)Geschichten damaliger Gutsbesitzer. Die Geschichte der Trauernden setzt dem noch eins oben drauf – eindrucksvolle Bilder, die du da gemacht hast.
    Gern mehr solcher Berichte!
    Herzlichen Gruß
    Anja von STADT LAND WELTentdecker

    1. Ja, das ist echt ein Traum. Ich hatte großes Glück. Und die Ostsee liebe ich auch sehr. Sie ist nur 60 km entfernt. Nicht zuletzt deswegen habe ich mir den Standort ausgesucht. Ich werde sicher noch spannende Sachen entdecken in der Gegend…

  6. Hallo,

    sehr Interessant und auch Spannend und ist ein Ausflug wert. Vor allem wenn es noch schön aussieht. Vom Schloss habe ich noch nichts gehört. Aber gerade diese Vorstellung zeigt einen, was man Anschauen sollte.

    Liebe Grüße
    Julia

  7. Ich war zwar schon mal in der Gegend, aber Karow und Schloss Karow kannte ich noch nicht! Ich mag solche Orte mit Geschichte aber besonders gern und finde auch die Story um die Trauernde sehr rührend. Ich hatte mich schon über die Löcher gewundert, aber du hattest kurz darauf geschrieben, woher sie stammen. Ich hoffe, du stellst noch mehr solcher Orte aus der Gegend vor!

    Liebe Grüße
    Jana

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