Düsseldorf

Blauer See Ratingen – Kleine Reise in die Kindheit

Renate Kraft

Renate Kraft

Blauer See Ratingen – für mich war das ein Ausflug in meine eigene Vergangenheit. Das Freizeitgebiet in der Nähe von Düsseldorf mit seiner Freilichtbühne, dem Märchenzoo und dem schönen kleinen See, gehört zu meinen frühesten Kindheitserlebnissen. An einem eher tristen Novembertag während des Corona-Lockdowns bin ich für einen Nachmittag dorthin zurückgekehrt.

Blauer See Ratingen

Damals am Blauen See

Ich bin in Ratingen aufgewachsen. Zum Blauen See bin ich an unzähligen Wochenenden mit meinem Vater spaziert, kaum dass ich laufen konnte. Später bin ich oft mit meiner besten Freundin zum Trampolin springen oder zum Spielen am Wasser hingegangen. Auf der Naturbühne habe ich Pierre Brice als Winnetou gesehen und viele Helden meiner Kindheit kennen gelernt. Am Blauen See bin ich ein paar Jahre danach auch mit meinem ersten Freund zum ersten Mal Hand in Hand spazieren gegangen. Ein Ort, der meine erste Lebensphase wahrlich mitgeprägt hat.

herbstlicher Wald

Seit mehr als 40 Jahren bin ich nun nicht mehr dort gewesen. Und dann habe ich mir ausgerechnet einen tristen Nachmittag im Lockdown für das Wiedersehen mit diesem besonderen Ort ausgesucht. Kein Wunder, dass mich gleich bei meiner Ankunft eine ziemlich melancholische Stimmung überfiel. Der so lebendige Ort meiner Kindheit war völlig menschenleer. Alles verrammelt und verriegelt. Mein erster Impuls war: Nichts wie weg hier!

Ein Herbstspaziergang ins Gestern

Imbiss am Blauen See

Aber dann habe ich beschlossen, doch eine kleine Runde zu drehen. Schließlich kommen auch wieder bessere Zeiten. Dann ist der Blaue See Ratingen ganz sicher wieder ein lohnendes Ausflugsziel. Und trotz aller Tristesse habe ich dann wider Erwarten einiges Schöne entdeckt. Am Ende fand ich, dass sich die kleine Reise in meine Kindheit durchaus gelohnt hat. Und ich beschloss, den Blauen See hier auf dem Blog kurz vorzustellen.

Blauer See Ratingen

Kennen gelernt habe ich den Blauen See wie gesagt bei langen Spaziergängen mit meinem Vater. Wir sind zusammen durch den Wald gestreift und haben unsere Initialen in Baumrinden geritzt. Die Besuche im Märchenzoo waren aber damals eindeutig die größten Highlights dabei.

Märchenzoo am Blauen See Ratingen

Märchenzoo am Blauen See
Eingang zum Märchenzoo

Das war in den 60er Jahren, und der Märchenzoo war damals schon mehr als zehn Jahre alt. Seit 1952 können Besucher hier am Stadtrand von Ratingen in die Welt der Märchen eintauchen. Außerdem können sie hier Ziegen, Esel oder Schweine erleben. Füttern ist ausdrücklich erlaubt. Futter gibt’s für einen Euro am Eingang. Das war damals alles ein bisschen billiger, und natürlich habe auch ich immer ein Beutelchen davon bekommen. Der Eintritt kostet heute zwei Euro pro Kind, drei Euro für Erwachsene.

Auf dem Rundweg durch den Märchenzoo gibt es zwölf Stationen mit berühmten Märchen. Man drückt einfach auf einen Knopf und bekommt das Märchen erzählt. Zu sehen gibt’s viele Märchenfiguren. Mein Liebling war Aladdin, der auf seinem fliegenden Teppich an mir vorbeischwebte. Keine Ahnung, ob es den heute noch gibt. Überprüfen konnte ich es nicht, denn wegen des Lockdowns war der Märchenzoo natürlich geschlossen.

Naturbühne am Blauen See

einsame Kulissen an der Naturbühne
einsame Kulissen an der Naturbühne

Noch ein bisschen älter als der Märchenzoo ist die Naturbühne am Blauen See. 1949 wurde hier mit Old Surehand das erste Stück aufgeführt. Bis in die 1990er Jahre hinein gab es hier immer wieder Karl May Abenteuer zu bewundern. 1.200 Gäste finden auf der Tribüne Platz. Ab Mai 2021 gibt es dort hoffentlich die Abenteuer von Petterson und Findus zu sehen. Als ich da war, war alles verrammelt und verriegelt – ein trauriger Anblick.

Herbststimmung am Blauen See Ratingen

Übrigens hat der Blaue See Ratingen eine sehr sehr lange Geschichte. Vor 345 Millionen Jahren entstand nämlich hier aus den versteinerten Resten von Korallenriffen ein begehrter Kalkstein. Seit dem 15. Jahrhundert wurde er abgebaut. Zurück blieben so genannte „Kuhlen“. Der Blaue See ist die größte davon. Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Kalksteinabbau eingestellt. Die Kuhle füllte sich mit Wasser. Auf diesem Wasser kann man heutzutage im Sommer normalerweise Boot fahren. Oder auf einer Terrasse gemütlich am Wasser sitzen und Kaffee trinken. Ich komme bestimmt mal wieder vorbei, wenn es ein bisschen heiterer zugeht am Blauen See in Ratingen.


Düsseldorf ist die Region meiner Kindheit. Auch heute bin ich dort noch öfters unterwegs. Deshalb blogge ich auch hin und wieder über diese Gegend. Solche Beiträge findest Du hier auf Trippics.

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12 Comments

  1. Ausflüge in die Vergangenheit können schön aber auch enttäuschend sein. Was uns als Kind begeistern konnte sieht auf einmal schäbig und viel kleiner aus. Bei Dir scheint das nicht der Fall gewesen zu sein, wie schön.
    Alles Liebe
    Annette

    1. Naja, es war schon auch traurig. Das lag aber eben vor allem am Lockdown und am tristen Wetter. Trotzdem: In erster Linie war ich froh, das alles mal wieder zu sehen…

  2. Liebe Renate,
    Wow – du hast mich mit deinem Beitrag enorm berührt. Die Beschreibungen an deine Kindheit und auch das Händchenhalten mit dem ersten Freund sind so wunderschön und emotional zu lesen – man spürt sofort die Verbundenheit, die du mit dem Blauen See in Ratingen hast.
    Ich finde es spannend, an solche Kindheitsorte zurückzukehren. Ich war nun seit einigen Jahren nicht mehr in meiner alten Heimat und sollte es mich irgendwann mal wieder dorthin verschlagen, werde ich bestimmt ähnlich melancholisch.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    1. Liebe Miriam,
      es ist schon echt was Besonderes, an solche Orte zurückzukehren. In normalen Zeiten nimmt man sich ja eigentlich eher nicht die Zeit dafür. Dann gibt es immer so viel Neues zu entdecken. Ich bin auch eigentlich eher ein Mensch, der nicht so sehr in der Vergangenheit lebt. Aber momentan mag ich es, solche Orte zu besuchen. Ein Wechselbad der Gefühle…
      LG Renate

  3. Es war bestimmt ein Ausflug mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite Freude und die Suche nach den Erinnerungen. Auf der anderen Seite das neue Jahr und alle Veränderungen erschrecken einen.
    Aber es scheint ein schöner Ausflugsziel zu sein.

    Liebe Grüße
    Julia

    1. Ja, es war schon etwas erschreckend, diesen früher immer so lebendigen Ort so verlassen zu erleben. Aber es hatte auch was Schönes. Letzten Endes war es was Besonderes, dorthin zurückzukehren.
      LG Renate

  4. Da ich immer noch in meiner Heimat wohne – oder sagen wir wieder – kann ich leider nicht an so einen Ort zurückkehren. Aber ich fand dein Abenteuer rund um den Blauen See sehr interessant! Spannend auch, dass das Gebiet auf eine so lange Geschichte zurückblickt und sich nach dem Abbau mit Wasser füllte. Hier bei uns in der Gegend gibt es auch ein „riesen Loch“ von irgendeinem Abbaugebiet, das ist aber nur zugewuchert. Ein schöner See wäre mir lieber gewesen!

    Liebe Grüße
    Jana

    1. Liebe Jana,
      ja, es ist wirklich schön, wenn aus einem Abbaugebiet etwas wirklich Schönes entsteht. Ich mag solche Orte ganz allgemein. Erst recht natürlich diesen aus meiner Vergangenheit. Freut mich, dass es Dir gefallen hat.
      LG Renate

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