Neuseeland, Südinsel

Farewell Spit – der hohe Norden von Neuseelands Südinsel

Renate Kraft

Renate Kraft

Einer der Höhepunkte meiner zweiten Reise durch Neuseeland war sicherlich der Ausflug nach Farewell Spit. Die über 30 Kilometer lange Nehrung erstreckt sich von Osten nach Westen und ist zugleich die nördliche Begrenzung der Golden Bay.

Farewell Spit

Ich bin von Nelson aus hingefahren, wo ich gerade meinen dreiwöchigen Sprachkurs mache. Am Wochenende hatte ich aber frei und wollte mir diese riesige „Sandbank“ unbedingt anschauen. Das allerdings geht nicht ganz so einfach, denn nur auf den ersten vier Kilometern ist Farewell Spit frei zugänglich. Will man weiter Richtung Westen, braucht man eine Sondergenehmigung. Mit dem Auto kommst Du auf Farewell Spit auch nicht weit. Zum einen läuft ohne Genehmigung sowieso nichts. Zum anderen kannst Du sowieso nur mit Allradantrieb dort fahren. Und auch damit ist die Gefahr, irgendwo stecken zu bleiben, groß.

Über den Takaka Hill in die Golden Bay

Ich habe mich deshalb entschlossen, eine Farewell Spit Eco Tour zu buchen. Die Touren mit kleinen Allrad-Bussen starten in Collingwood. Auch da musst Du erst mal hinfahren. Von Nelson aus sind es etwa 120 Kilometer, aber für die Fahrt solltest Du in etwa drei Stunden einplanen. Du musst nämlich über den Takaka Hill fahren, was ein ziemliches Gegurke ist. Außerdem gibt es an der Serpentinenstraße eigentlich immer Baustellen. „Expect Delays“ warnen denn auch schon Schilder, bevor Du überhaupt am Fuß des Hügels ankommst, der eher ein Berg als ein Hügel ist.

Takaka Hill

Takaka Hill ist Fluch und Segen zugleich für die wunderschöne Golden Bay, die ich schon während meiner ersten Reise besucht habe. Die Golden Bay ist bei weitem nicht so überlaufen wie der besser zugängliche Abel Tasman Nationalpark, der für mich ganz persönlich ein Horror ist. Die Unmengen von Rucksack-Wanderern dort schrecken mich wirklich ab. Deshalb habe ich mir das letztes Jahr vom Wasser aus angeschaut. Mein Ding ist es nicht, aber das ist Geschmacksache…

Start in Collingwood

Wenn Du den Hügel geschafft hast, geht es nach Takaka, ein sehr hübsches kleines Städtchen, in dem Du ein bisschen Hippie-Luft schnuppern kannst. Das letzte Stück nach Collingwood ist dann nur noch ein Katzensprung. Weil Du im Office der Farewell Spit Eco Tours zeitig einchecken musst (mindestens eine halbe Stunde vor der Abfahrtszeit) bleibt Zeit genug, den kleinen Ort zu erkunden. Geh vielleicht auf einen Kaffee ins Mad Café, ein Erlebnis für sich mit sehr schönem Garten.

Die Touren starten jeden Tag zu einer anderen Zeit, denn Farewell Spit kann man nur bei Ebbe befahren. Die Startzeiten findest Du auf der Webseite, wo Du auch buchen kannst. Der Spaß kostet 160 Dollar (Stand März 2020). Ich fand es einen fairen Preis, denn was Du zu sehen bekommst, ist schon wirklich ein Traum. Das hier ist übrigens keine Werbung. Ich habe die Tour als ganz normaler Tourist gemacht.

Die Nordspitze der Südinsel – Cape Farewell

Cape Farewell

In meinem Fall ging es um 11 Uhr vormittags los. Du fährst von Collingwood nach Norden. Der erste Stopp ist dann am Cape Farewell, dem nördlichsten Punkt von Neuseelands Südinsel. Hier bist Du ein ganzes Stück nördlich von Wellington. Die tolle Felsküste ist beeindruckend. Leider waren Tageszeit und Wetter nicht ganz ideal, sodass ich das tolle Farbspiel nicht gesehen habe, das sich daraus ergibt, dass Pazifik und Tasman Sea zusammenfließen. Am Cape Reinga im Norden der Nordinsel hatte ich letztes Jahr mehr Glück. Aber auch so ist Cape Farewell durchaus eindrucksvoll.

Unterwegs auf Farewell Spit

Und dann geht sie los, die faszinierende Fahrt auf Farewell Spit. Zuerst geht es ein Stück auf dem Inner Beach entlang, der nach Süden zeigt. Hier kannst Du an klaren Tagen die ganze Golden Bay überblicken. Ich hatte keinen klaren Tag erwischt, dafür aber einen ganz besonders ruhigen. Normalerweise ist es stürmisch hier, und Sandstürme können die Tour bestimmt ganz schön vermasseln. Nimm unbedingt eine dicke Jacke mit! Ich konnte den ganzen Tag im T-Shirt rumlaufen, aber das war ein recht seltener Glücksfall.

Nach dem ersten Stück geht es dann durch die Dünen zum Outer Beach. Auf den ersten Kilometern siehst Du noch vereinzelte Spaziergänger, aber dann siehst Du keine Menschenseele mehr. Wie gesagt, nur die ersten vier Kilometer sind frei zugänglich. Die Sandwüste mit Wanderdünen, einer großen Vielfalt an Wasservögeln, Seehunden und Ausblicken ins Endlose ist einfach der Wahnsinn. Ich lasse die Bilder einfach mal für sich sprechen. Ich habe selten eine Fahrt so genossen wie diese. Es gibt eine ganze Reihe Zwischenstopps, bei denen Du den grandiosen Outer Beach auch zu Fuß erkunden kannst.

Kaffeepause am Leuchtturm von Farewell Spit

Schließlich kommst Du ganz im Westen am Leuchtturm an. Hier gibt es das Lighthouse Reserve. Früher arbeiteten hier mehrere Leuchtturmwärter. Heute geht alles automatisch, aber die Häuschen, in denen die Leute gewohnt haben, stehen noch. In einem davon bekommst Du einen Muffin und Tee oder Kaffee. Auf der Terrasse zu sitzen, ist urgemütlich und eine gute Gelegenheit für ein Schwätzchen mit den anderen Reisenden.

Wir sind dann noch ein kleines Stück weiter zur Spitze gefahren. Hier gibt es eine Gannet-Kolonie, und die Vögel fliegen direkt und sehr niedrig an Dir vorbei zum Fischen im Meer. Es gibt auch eine andere Tour, auf der die Gannet-Kolonie im Mittelpunkt steht. Die tollste Möglichkeit, diese Vögel zu beobachten, ist aber wohl eher am Cape Kidnapper auf der Nordinsel, wohin ich letztes Jahr von Napier aus gefahren bin.

Auf der Rückfahrt gab es noch einen Zwischenstopp, bei dem wir auf eine der bis zu 30 Meter hohen Sanddünen klettern konnten. Von oben hast Du einen tollen Überblick über Farewell Spit. Und wenn Du einen kleinen Adrenalinschub brauchst, kannst Du an der steilen Seite der Düne runterrennen. Um meine Kamera und meine Knochen zu schonen, habe ich darauf lieber verzichtet.

Ein Abend in Collingwood

Nach diesem tollen Erlebnis bin ich abends in Collingwood geblieben und habe auf dem sehr schön am Wasser gelegenen Campground übernachtet. Ein Gläschen Wein am Ufer dort mit ein paar anderen Campern hat diesen Tag wunderbar abgerundet. Ich finde, eine Tour zum Farewell Spit ist das Tollste, was es in der Region um Nelson herum so gibt. Kann ich wirklich nur empfehlen. Ich hatte ein phantastisches Wochenende, denn den folgenden Sonntag habe ich dann noch genutzt, um ein bisschen in der Golden Bay spazieren zu fahren und an einem der wunderschönen Strände zu baden.

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12 Comments

  1. Ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch, der nie von Neuseeland und Australien geträumt hat. Aber deine Bilder sind mal wieder fantastisch. Das sieht so entspannend – und klingt ja auch so. Die Golden Bay würde mir gefallen.

  2. Hallo Renate,

    das Kompliment kann ich nur zurück geben, deine Fotos sind einfach Klasse und gefallen mir wirklich gut.
    Ich war noch nie in Australien aber die Bilder sprechen für sich wäre sicher eine Reise wert mit dem Wohnmobil.
    Ich danke dir sehr für diese tollen Eindrücke.
    Gruß Steffi

  3. Die Tour sieht wirklich klasse aus! Ich liebe menschenleere Strände, selbst wenn man dort nicht unbedingt schwimmen gehen sollte. Landschaftlich würde mich das ja auch sehr reizen, aber der lange Flug nach Neuseeland schreckt mich dann doch schon ab. Schade, denn diese Tour würde ich gerne einmal mitmachen.

  4. Wow was für tolle Impressionen! Besonders das Bild mit dem Leuchtturm gefällt mir! Aber generell sind alle atemberaubend! Bis nach Neuseeland wird es mich wahrscheinlich nie ziehen – leider – weil ich ganz schreckliche Flugangst habe. Aber dank Menschen wie dir, kann ich trotzdem ein bisschen die Welt sehen!

    Liebe Grüße
    Jana

    1. Ja, sie wird gut geschützt. Trotzdem stranden da regelmäßig Wale. Die Leute machen alles, um sie zu retten. Klappt leider nicht immer…

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