Neuseeland, Südinsel

Doubtful Sound– mein klarer Favorit im Fjordland

Renate Kraft

Renate Kraft

Der Doubtful Sound ist einfach phantastisch. Nachdem ich dort war, ist klar, dass er für mich den noch etwas bekannteren Milford Sound um Längen schlägt. Immer wieder wird ja heiß diskutiert, welchen der beiden man sich bei einer Neuseelandreise anschauen sollte. Toll sind beide, gar keine Frage. Aber wenn Du wenig Zeit hast und Dich für einen der beiden entscheiden möchtest, dann kann ich nur wärmstens den Doubtful Sound empfehlen. Es sei denn, Du stehst ganz tierisch auf Wasserfälle. Die sind im Milford Sound beeindruckender und auch viel zahlreicher. Ich war auch am Milford Sound und werde davon noch erzählen.

Zum Doubtful Sound geht’s erst über den Lake Manapouri…

Aber zuerst ist der Doubtful Sound dran, weil er mich wirklich begeistert hat. Auch deshalb, weil Du auf dem Weg dorthin zuerst per Schiff den Lake Manapouri überqueren musst. Den hatte ich zuvor schon mal besucht. Er ist mein absoluter Lieblingssee. Ich weiß nicht genau warum. Er ist nicht türkis oder tiefblau. An seinen Ufern finden sich keine Sensationen. Aber manchmal verliebt man sich einfach in eine Gegend, ohne dass es einen bestimmten Grund gibt, den man beschreiben könnte. Er ist einfach schön und ich könnte vor Freude ausrasten, wenn ich ihn nur sehe.

An diesem Morgen hatte ich ziemliches Glück mit dem Licht. Die Sonne kam ab und zu durch, und die Wolken brachten Stimmung in die Bude. Die Fahrt über den Lake Manapouri war für mich ganz persönlich mindestens ebenso eindrucksvoll wie der Doubtful Sound. Eine Stunde dauert die Fahrt mit dem Katamaran. Nimm am besten das erste Boot früh am Morgen. Nicht nur wegen des Lichts, sondern auch weil dann noch nicht so viel los ist am Fjord.

Wenn Du am Westufer des Sees ankommst, siehst Du zuerst die Manapouri Power Station. Das relativ unscheinbare Ding liefert jede Menge Strom, unter anderem für die große Aluminiumhütte in Bluff an der Südspitze der Südinsel. Der Strom kann hier gewonnen werden, weil der Wasserspiegel des Sees fast 180 Meter höher liegt als der des Doubtful Sound. Unterirdisch brausen die Wassermassen durch die Turbinen.

…und dann über den Wilmot Pass

Mit dem Bus geht es weiter über den Wilmot Pass. Die Gravel Road ist eine sehr kurvige und extrem steile Bergstraße. Mit dem Auto kommst Du dort nicht hin. Und ich war auch tatsächlich heilfroh, hier nicht selbst fahren zu müssen. Es ist auch schön, sich die Regenwälder, rauschenden Flüsse und eindrucksvollen Berge in Ruhe anschauen zu können. Nach 20 Kilometern bist Du am Ufer des Doubtful Sounds. Rechne nicht mit Sonnenschein. Der ist hier extrem selten. Fast zehn Meter Regenwasser kommen pro Jahr runter. Das bei uns übliche Messen in Millimetern hat in dieser Region keinen Sinn. Also mach Dich auf Sauwetter gefasst. Das hast Du hier fast immer.

Biestige Sandflies am Doubtful Sound

Ach ja, die Sandflies. Die gibt’s am Doubtful Sound natürlich reichlich. Am Milford Sound ist es allerdings noch schlimmer. Aber keine Sorge, die Mittelchen, die Du hier als Spray oder Öl kaufen kannst, wirken wahre Wunder. Du darfst nur nicht vergessen, sie zu benutzen. Diese Biester stechen wirklich ekelhaft. Als ich an einem Strand mal nicht mit ihnen gerechnet hatte, haben sie mir ziemlich fies beim Fotografieren die Hände kaputtgebissen. Aber wenn Du vorsorgst, kannst Du die schwirrenden Mistviecher locker auslachen. Am schlimmsten ist es am Schiffsanleger. Wenn Du erst auf dem Wasser bist, wird es schnell deutlich besser.

Delphine in Sicht!

Als ich auf dem Doubtful Sound war, folgten gleich zu Anfang ein paar ganz wundervolle Minuten. Überall waren plötzlich Bottlenose-Delphine. Sie schwammen sehr ruhig durch das stille tiefschwarze Wasser. Das war wirklich ein Moment zum Genießen. Auch das Schiff stand ganz still. Ich habe schon öfters Delphine gesehen. Meistens rasen und springen sie durchs Wasser. Aber hier war alles ganz ruhig und langsam. Wirklich sehr beeindruckend.

Bootsfahrt über den Doubtful Sound

Und dann fuhren wir also durch den Doubtful Sound bis raus in die Tasmanische See, wo wir an einer ziemlich großen Seehundkolonie vorbeikamen. Aber mitten im Fjord selbst war es mit Abstand am schönsten. Die steilen Berge dicht um Dich herum und das fast schwarze Wasser bei grauem Himmel, aus dem es leise nieselt. Eine sehr besondere Atmosphäre. Das Wasser ist übrigens deshalb hier so dunkel, weil das Süßwasser über dem Salzwasser liegt und sich nicht sofort damit vermischt.

The Sound of Silence

Der Doubtful Sound ist sehr viel größer als der Milford Sound und hat diverse Seitenarme. Den Hauptunterschied macht für mich aber die Ruhe aus. Die kannst Du im Milford Sound vergessen. Dort sind einfach zu viele Menschen auf zu vielen Schiffen unterwegs. Unser Skipper hat unterwegs ein paar Minuten die Maschinen abgestellt. „The Sound of Silence“ nannte er das, was wir dann zu hören bekamen. Nichts als plätscherndes Wasser und zwitschernde Vögel. Alle standen ein paar Minuten ganz still auf dem Boot. Das war schon cool.

Wenn Du auf Deiner Neuseelandreise in der Nähe vorbeikommst, dann nimm Dir die Zeit für eine Tagestour zum Doubtful Sound. Ich jedenfalls werde diesen Tag immer als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten.

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