Kanada

„Absolutely perfect“ – 3 Wochen Westkanada

Renate Kraft

Renate Kraft

„Absolutely perfect choice“, kommentierte ein euphorischer Kellner, als wir bei einem unserer ersten Abendessen ein hoffnungslos zähes Tenderloin Steak bestellten. Während meiner Tour durch Westkanada im Spätsommer 2018, zusammen mit einer kleinen Gruppe toller Fotografinnen und Fotografen, war mir schnell klar, dass Kanada immer noch eine kulinarische Enttäuschung ist. Aber in so ziemlich jeder anderen Hinsicht ist es ein Traum. Unsere drei gemeinsamen Wochen in zwei Autos waren ein wunderbares Erlebnis.

Unser Startpunkt war Vancouver, die für mich schönste kanadische Großstadt, in die wir nach einer Woche auf Vancouver Island dann auch noch einmal zurückkamen. Für den Anfang aber fuhren wir über die beeindruckende Lions Gate Bridge in den Stanley Park, eine Freizeitoase für die Städter, die schöne Ausblicke auf die Skyline und viel Entspannung am Wasser bietet.

Am nächsten Morgen ging’s raus zur Horseshoe Bay, von wo wir die Fähre nach Vancouver Island nahmen. Auf unserem Weg Richtung Pazifikküste lagen der wunderschöne Cameron Lake und etwas später Cathedral Grove, ein wunderschöner Wald voller Riesenbäume, der allerdings im Sommer manchmal ganz schön überlaufen sein kann. Wir hatten eigentlich Glück, denn Ende August neigt sich die Saison hier schon dem Ende entgegen. Fotografisch finde ich Riesenbäume schwierig, aber sie sind natürlich dennoch schwer beeindruckend.

Unsere erste etwas längere Station war Terrace Beach in der Nähe von Ucluelet. „August is Fogust“, lernten wir hier ziemlich schnell, denn wir verbrachten unsere Zeit im dicken Nebel, der, vom Geräusch der Nebelhörner kontinuierlich durchbrochen, eine ganz besondere und durchaus angenehme Stimmung verbreitete und der nur selten aufriss und Platz für Sonnenschein machte. Von Ucluelet aus unternahmen wir eine Whalewatching Tour und sahen auch tatsächlich eine ganze Reihe Buckelwale. Ein tolles Erlebnis, bei dem ich allerdings die Kamera besser zur Seite gelegt und einfach den Anblick genossen hätte. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Natürlich genossen wir auf Vancouver Island auch die herrlichen Strände, besonders im Pacific Rim Nationalpark mit seinem sagenhaft schönen Long Beach, der bei unserem Besuch im typischen dichten Nebel lag, was dem Fotografieren aber absolut keinen Abbruch tat, ganz im Gegenteil. Mir machte es großen Spaß, im Nebel zu fotografieren. Im Nachhinein kann ich sagen, dass der Long Beach für mich eines der absoluten Highlights dieser Reise war.

Sehr touristisch, aber auch wirklich hübsch und gemütlich, ist das Städtchen Tofino, das wir ausnahmsweise bei strahlendem Sonnenschein erlebten. Hier kann man, zum Beispiel am hübschen Hafen, die Seele baumeln lassen.

Leider war schon bald der Abschied von Vancouver Island gekommen. Ich hätte hier gerne mehr Zeit verbracht, aber uns riefen die Rocky Mountains, und weil wir auf dieser Reise leider nur drei Wochen Zeit hatten, mussten wir weiter und nahmen die Fähre zurück aufs Festland. Auf dem Weg nach Nanaimo sahen wir an einem Fluss einen Schwarzbären. Mit dem Wasser zwischen ihm und uns konnten wir ihn aus sicherer Distanz fotografieren. Später auf dieser Reise sind mir dann einige Japaner begegnet, die einem wilden Bären mit ihren Handys dicht auf die Pelle rückten. Mir wurde ganz schlecht bei diesem Anblick, und ich war wirklich heilfroh, dass der Bär anscheinend satt war, den Ignoranten gelassen den Rücken zukehrte und davontrabte.

Nach der schönen Woche auf der Insel verbrachten wir noch einmal ein wenig Zeit in Vancouver. Wir zogen durch Downtown, machten Gastown unsicher, fuhren mit der Fähre nach Granville Island, wo es Spaß macht, auf dem Granville Market herumzustöbern und erkundeten die English Bay. Zwei herrlich entspannte Tage in dieser tollen Stadt, die ich gerne mindestens verdoppelt hätte.

Die nächste Etappe führte uns nach Whistler, und unterwegs kamen wir an schönen Seen und an den Shannon Falls vorbei. Whistler selbst ist ganz unterhaltsam, aber nichts Besonderes, wenn man mal von der Medal Plaza absieht, wo die Medaillen bei den Olympischen Winterspielen 2010 vergeben wurden. Für einen Sesselsportler wie mich war das schon ein Erlebnis. Am nächsten Tag fuhren wir mit der Whistler Mountain Seilbahn zum ersten Mal mitten hinein in die tolle Bergwelt. Ein etwas schwindelerregender Sessellift brachte uns schließlich nach ganz oben auf den Gipfel. Dabei erlebten wir die Höhe ganz unmittelbar, und so allein im Sessel war auch die Ruhe einfach himmlisch. Wer sich unter dieser Gegend ein einsames Naturerlebnis vorstellt, der sollte sich das besser gleich abschminken, denn es ist ganz schön was los auf dem Whistler Mountain. Deshalb wackelte die riesige Hängebrücke auch ganz schön, über die man zu einer Aussichtsplattform gelangt. Der Höhepunkt des Tages wartete aber noch auf uns, denn mit der Peak-to-Peak Gondola fuhren wir zum nächsten Gipfel. Dort begrüßte uns ein Murmeltier, und wir konnten es sogar ganz in Ruhe fotografieren.

Nun stand die mit über 400 Kilometern weiteste Teilstrecke unserer Tour bis nach Clearwater an. Wir kamen an wunderschönen Seen und an einer alten Farm vorbei, wo wir eine Kaffeepause einlegten. Erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Clearwater. Am nächsten Morgen erkundeten wir den Wells Gray Provincial Park mit seinen tollen Wasserfällen. An den Dawson Falls und an den großen Helmcken Falls gingen wir mit Stativ und Graufilter zu Werke, was riesigen Spaß machte. Das für mich Tollste nicht nur dieses Tages, sondern vielleicht der ganzen Tour, waren die springenden Lachse, die wir an einer Stromschnelle nicht weit entfernt beobachteten. Was für ein schönes Erlebnis! Diesmal beeilte ich mich mit dem Fotografieren und genoss einfach den Moment, nachdem ich „meinen“ Lachs abgelichtet hatte.

In der Gegend rund um Clearwater erkundeten wir vor unserer Weiterreise auch noch den nahen und wunderschönen kleinen Dutch Lake und mit den Spahats Falls einen weiteren Wasserfall, der vielleicht nicht ganz so spektakulär ist wie die vorigen. Am Abend wollten wir uns etwas Besonderes gönnen und besuchten ein sehr hübsches Blockhaus-Restaurant, das aber leider auch nicht mehr taugte als die meisten Restaurants hier. Ich probierte zum ersten Mal im Leben Krokodilsfleisch, das wie Gummi schmeckte. Die diversen Sorten Räucherlachs waren eine herbe Enttäuschung und zum Teil komplett ungenießbar. Naja, ich bin ja nicht wegen des Essens nach Kanada gereist. Hier sollte man vielleicht lieber ein bisschen sparen. Man verpasst nicht viel…

Unsere nächste Station war Valemount, wo an den Rearguard Falls die Wasserfallparade munter weiterging. Wieder ein wirkliches Prachtexemplar und wir tobten uns mit Stativen und Graufiltern eine ganze Weile aus. Schon am nächsten Tag fuhren wir weiter zum Mount Robson Nationalpark, wo uns der schneebedeckte Bergriese bei Sonnenschein schwer beeindruckte. Bei der Weiterfahrt überquerten wir die „Grenze“ nach Alberta, wodurch die Zeitverschiebung im Vergleich mit der Heimat um eine Stunde geringer wurde. Nach einem Stopp am wunderschönen Moose Lake gelangten wir schließlich nach Jasper, einem quirligen, lebendigen Ort vor großartiger Bergkulisse.

Der Maligne Canyon ist eine schmale tiefe Schlucht, an der man wunderbar entlang laufen kann. Ein tolles Naturerlebnis. Hier sah ich die irren Japaner, die dem Schwarzbär mit ihren Handys auf die Pelle rückten, was ich wirklich schockierend fand. Ein Stück weiter kamen wir zum Medicine Lake. Überall sahen wir abgebrannte Wälder. Zusammen mit dem See, in dem nur wenig Wasser war bildeten sie eine wirklich skurrile, unheimliche Landschaft, die zum Fotografieren aber Spitzenklasse war. Am nächsten See, dem Maligne Lake, sahen wir einen riesigen Elch im Wasser, später dicht an der Straße dann noch mal eine Elchkuh und ein paar Karibu-Hirsche. Es ist schon toll, was einem in Kanada so vor die Linse kommt. Nach dem Erlebnis mit dem Bär ist es bei allem Staunen aber wichtig, immer mit dem nötigen Respekt an die wilden Tiere heran- und vor allem nicht zu dich heranzugehen.

Von Jasper aus führte unser Weg über den berühmten Icefield Parkway. Hier gibt es einfach alles, was die Rockys ausmacht – eindrucksvolle Gletscher, riesige Bergrücken, wundervolle Seen und Flüsse. Zum Niederknien schön! Wir waren alle sehr beeindruckt von der Landschaft, als wir abends in Lake Louise ankamen. Und am nächsten Morgen warteten mit dem Lake Louise und dem Morraine Lake zwei absolut einmalig schöne Seen auf uns. Die blaue Farbe des Gletscherwassers war einfach der Hammer! Ich konnte mich überhaupt nicht sattsehen und wäre gerne tagelang geblieben. Leider mussten wir weiter nach Canmore, wo während der Olympischen Winterspiele in Calgary die Skilanglaufwettbewerbe stattgefunden hatten.

Es war der 12. September, und wir merkten gleich nach der Ankunft in Canmore, dass das Wetter nicht nur schlechter, sondern vor allem auch immer kälter wurde. In dieser Nacht schneite es, und das Dollste war, dass der Schnee sogar eine ganze Weile liegenblieb. Von Canmore aus fuhren wir in den nahen und sehr touristischen Wintersportort Banff, wo ich mir wegen des plötzlichen Wintereinbruchs erst mal eine Jacke kaufte. Bei wirklich miesem Wetter fuhren wir mit der Banff Gondola, die uns auf den Mount Sulphur brachte. Das war im Voraus gebucht, und wir hätten es ansonsten bestimmt sein gelassen. Niemand versprach sich bei kaltem Nieselregen und dunkelgrauen Wolken irgendwas davon. Aber es kommt manchmal wirklich anders, als man denkt. Wir landeten über den Wolken irgendwo zwischen Himmel und Erde. Es war absolut phantastisch und sicherlich eines der ganz großen Highlights unserer Tour, die nun schon fast zu Ende war. Denn nun ging es nach Calgary, von wo aus wir am 15. September zurückflogen. Zurück nach drei Wochen, die ich nie vergessen werde.

Dieser Artikel ist Teil der Kanada-Blogparade von Travelsanne. Bei ihr findet ihr viele weitere tolle Tipps zu Reisen nach Kanada.

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8 Comments

  1. Ein sehr schöner Reisebericht Renate von deiner ( unserer ) Kanada Reise.
    Sehr beeindruckende Fotos und sehr lebendige Beschreibungen der einzelnen Orte und Erlebnisse.
    Ich wünschte ich könnte meine Erlebnisse so geil in Worte fassen ( sorry ) !!
    Alles Gute und bis bald.

    Liebe Grüße
    Bernd

    1. Freut mich sehr, dass es Dir gefällt. Das Schreiben war jetzt nicht so das Ding, da hat mein Tagebuch geholfen, aber die Bildauswahl hat mich echt Nerven gekostet…:-)
      Bis bald, mach‘s gut!
      Renate

  2. Ich werde diese drei Wochen auch nicht vergessen. Es war eine traumhaft schöne Reise mit euch. Dein Bericht und die tollen Fotos haben mich nochmals diese Zeit erleben lassen.
    Gruß Marlies

  3. ein wunderschöner und begeisternder Bericht unserer unvergesslichen Reise. Die Bilder lassen einen die Reise nochmal erleben. Es war eine wunderschöne Zeit mit Euch.

  4. Hallo Renate,
    ein toller, sehr anschaulicher und wunderbar persönlich kommentierter Reisebericht.
    2017 war ich auf einer sehr ähnlichen Route ebenfalls im Spätsommer in Kanada. Deine Bilder toppen alles und führen sogar mich, die ich nicht in eurer Reisegruppe war, an meine Urlaubsorte zurück. Deine Beschreibungen dazu, spiegeln wunderbar die Stimmungen wieder.
    Ich freue mich, immer mal wieder auf deine Seite zu kommen und mit zu reisen.
    Gruß Hilde (Santorini)

    1. Hallo Hilde,
      dankeschön, das freut mich wirklich sehr! Ich werde irgendwann in der nächsten Zeit auch über Santorini schreiben. Dauert noch ein bisschen, aber ich gebe mal Bescheid, wenn’s soweit ist. Hat mich sehr gefreut, dass wir uns während dieser tollen Woche kennen gelernt haben. Bis zum nächsten Mal, sag ich mal…:-)
      LG Renate

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