Fotografie, Neuseeland, Südinsel

Lake Matheson Neuseeland – Nachdenken übers Fotografieren

Renate Kraft

Renate Kraft

An einem wirklich sehr trüben Tag bin ich die Strecke von Haast über den Lake Matheson Neuseeland nach Franz Josef gefahren. Anfangs war so dichter Nebel, dass ich kaum was sehen konnte. Später wurde es dann etwas klarer, aber von schönem Wetter blieb es weit entfernt. Ich habe wie immer viele kleine Zwischenstopps eingelegt, um Fotos zu machen. An diesem Tag habe ich viel übers Fotografieren nachgedacht. Und es hat sich wieder mal bestätigt, dass ich niemals Fotografin sein möchte. Am Beispiel des an der Strecke liegenden Lake Matheson kann ich gut erklären, warum das so ist.

Keine Spiegelung am Lake Matheson Neuseeland

Von Fox aus, schon ziemlich kurz vor meinem Etappenziel Franz Josef, ist der Lake Matheson Neuseeland nur ein kurzes Stück entfernt. Er ist weltberühmt dafür, dass sich Neuseelands höchste Gipfel ganz wunderbar in ihm spiegeln. Deshalb ist der See seit langer Zeit ein Anziehungspunkt für Fotografen und Maler. Früher konnten sie sogar mit Booten rausfahren, um von einem Punkt mitten im See einen noch besseren Blick auf die traumhafte Kulisse zu erhaschen.

Als ich da war, gab es keine Berge. Alles war von dunklen grauen Wolken verhangen. Außerdem sorgte dann noch der Wind dafür, dass auch bei schönstem Sonnenschein absolut keine Spiegelungen zu sehen gewesen wären. Also was tun? Warten auf besseres Wetter? Tagelang zu Sonnenauf- und -untergang wiederkommen, um die erfahrungsgemäß windstillste Zeit zu erwischen? Und dann im Dunkeln durch den Wald stolpern? Denn es ist ein ganzes Stück zu laufen vom Parkplatz bis zum besten Aussichtspunkt am See.

Ein glasklares Nein, zumal der Wetterbericht für die folgenden Tage grottenschlecht war. Aber nicht nur deshalb. Ich bin einfach nicht der Fotograf, der vorgegebene Motive mag. Ich will nicht genau das Bild, das Tausende vor mir schon genauso gemacht haben. Klar, hätte ich die Spiegelung vorgefunden, als ich da war, hätte ich sicher auf den Auslöser gedrückt. Aber so war es nicht. Und deshalb wird dieses Foto für immer fehlen in meiner Sammlung.

Übers Fotografieren

Aber es fehlt mir nicht. Ganz und gar nicht. Denn das ist eben nicht, was Fotografieren für mich ausmacht. Hätte ich den Auftrag gehabt, diese berühmte Spiegelung zu fotografieren, dann wäre mir die Freude an dieser tollen Landschaft gründlich verhagelt gewesen. Ich bin einfach nicht der Typ, der mithilfe von Sonnenstands-Apps und ähnlichem Schnickschnack plant, wann und von wo aus ein bestimmtes Objekt am besten zu fotografieren ist.

Stattdessen gehe ich einfach los und fotografiere, was ich sehe. Ich lasse mich von meiner Umgebung inspirieren und überraschen. So reise ich ja auch. Nicht, indem ich einen Punkt aus dem Reiseführer nach dem anderen abhake. Sondern indem ich schaue, was ich auf meiner Route so finde. Klar schaue ich manchmal auch in den Reiseführer, aber meist erst vor Ort, um mir ein paar interessante Hintergrundinfos zu holen.

Das Fotografieren bereichert mein Erkunden. Es lässt mich zusätzlich mit anderen Augen auf das schauen, was ich sehe. Das ist das, was es für mich ausmacht. Fotografieren ist eine Entdeckungsreise. Ich würde alleine nie auf die Idee kommen, auf das beste Licht des Tages zu warten, um ein bestimmtes Motiv zu fotografieren. Mit anderen Fotografen gemeinsam mache ich das manchmal. Aber das ist was anderes. Dann bin ich in einer Gruppe, und schon das macht Spaß. Alleine schaue ich viel lieber, was ich in dem gerade im Moment vorhandenen Licht fotografieren kann. Das macht den Spaß des Fotografierens aus. Es ist eine andere Form des Entdeckens.

Entdecken mit der Kamera

An diesem tristen Tag habe ich eine ganze Menge entdeckt, was ich dann dank meiner Kamera so gar nicht mehr trist fand. Die Straße durch den Regenwald war gerade bei diesen miesen Wetterbedingungen ausgesprochen spannend. Es machte zum Beispiel Spaß, ein paar Bäume zu fotografieren, die bei Sonnenschein nur halb so interessant gewesen wären.

Oder die düstere Stimmung am Lake Paringa. Ich konnte mich daran gar nicht sattsehen und ließ mich vor Begeisterung mal so richtig nassregnen. Oder die Bruce Bay, wo plötzlich die Tasmanische See aus dem dicken Nebel auftauchte.

Und der Lake Matheson? Naja, in dem Zustand war er total langweilig und eigentlich wirklich kein Foto wert. Aber der Spaziergang vom Parkplatz durch den Wald war einfach großartig. Der triefend nasse Regenwald bietet wirklich genug Motive, die für mich ganz persönlich viel spannender sind als die tollste Bergspiegelung. Und zwar deshalb, weil ich sie erst durch den Sucher sehe und nicht vorher schon im Kopf habe. Der Tag hat mir wieder mal gezeigt, warum ich das Fotografieren und das Reisen so liebe. Es war eine wunderbare Fahrt.

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